Kaiserreich
Drachenstein

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Gebrochen

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Belle ist wütend. Keiner schert sich auch nur einen Deut um ihr Schicksal und die grauenhafte Tat, die an ihr verübt wurde. Als sie das Gebäude verlassen, gelingt es ihr eine Weile kaum, ihre Haltung zu bewahren. Sie grübelt nach Erinnerungen und wird immer frustrierter, als sie keine finden kann. Erst, als Marius ihre Hand drückt und sie von der Seite anlächelt, findet sie zurück ins Hier und Jetzt. Alles ist gut. Marius ist hier und er schert sich sehr wohl um sie und ihr Schicksal. 

Sie blinzelt ihn von unten herauf an und lächelt entschuldigend, ehe ihr Blick auf die Auslage des Geschäftes fällt, vor welchem sie stehen geblieben sind. 

Sieh dir das an.. 

sagt sie strahlend und tritt etwas näher, um sich die Kleider genauer anzusehen. 

Das werde ich. An dir.

sagt er und grinst möglichst lässig, während er sie noch einen Moment staunen lässt und dann weiter in den Laden hineinzieht. Der Mann hinterm Tresen scheint ihn sofort zu erkennen, auch wenn sie sich noch nie begegnet sind.

»Lord Chamberlain! Höchst erfreut, Euch in meinem bescheidenen Laden begrüßen zu können. Was kann ich für Euch tun?«
Marius zieht Belle hinter sich in den Laden und lächelt zufrieden, als sie sich bereits all die Kleider und Roben ansieht.

Ich habe viel Positives über Eure Stoffe gehört, am Hof persönlich. Meint Ihr, Ihr findet auch etwas für meine reizende Begleitung?
Der Schneider betrachtet Belle kurz und nickt dann eifrig, bevor ein Glänzen in seine Augen tritt und er sogleich in einer der Reihen verschwindet, in der er scheinbar den großen Fang glaubt.

Belle schenkt den Worten der beiden keine grosse Aufmerksamkeit. Zumindest nicht mehr, nachdem der Mann hinter dem Tresen Marius einen Lord genannt hat. Lord Chamberlain.. Ihr Herz jubiliert, während sie bereits emsig dabei ist, die einzelnen Stoffe und Kleider genauer unter die Lupe zu nehmen, anzufassen und schliesslich auch daran zu riechen.

Du entscheidest nach Geruch?

fragt Marius amüsiert, als der Schneider mit einigen bodenlangen Kleidern in verschiedenen Schnitten, verschiedenen Farben und auch unterschiedlichen Stoffen bringt.

wie sie aussehen, kannst du bestimmen.

Aber natürlich! Man kann die Qualität von Stoffen sehr gut an ihrem Geruch erkennen. Genauso wie bei Menschen. Zumindest stimmt das meistens.

Sie lacht über ihren eigenen Witz und wendet sich dann dem Verkäufer zu, der ihr ein paar Kleider unter die Nase hält. 

Wollt Ihr mich verkohlen, guter Mann? Ein Blinder erkennt aus einer Meile, dass mir das hier nicht stehen wird. Und das hier.. ich weiss nicht. Die Farbe unterstreicht meine Hautfarbe nicht. Und diese Rüschen.. sie tragen furchtbar auf. Ich würde darin aussehen, als hätte ich zu viel gegessen…

Während sie ein Kleid nach dem anderen aussortiert, bleiben am Ende noch zwei übrig. Eines davon ist in zartem Rosa gehalten und üppig verziert mit Blumenapplikationen. Das andere ist etwas schlichter und überzeugt in sanftem Hellblau. Belle präsentiert Marius die beiden Kleider und strahlt dabei übers ganze Gesicht. Das hier ist definitiv ihre Lieblingsbeschäftigung. Gleich nach den Turnübungen mit Marius selbstverständlich. 

Na, was meint mein teurer Begleiter? Welches soll ich für dich anziehen? Blau oder Rosa?

Breit grinsend betrachtet Marius das Vorgehen und wie Amelia den Schneider mit ihrem Kennerblick rund macht. Er hatte befürchtet, dass sie ihre Drohung, ihn entscheiden zu lassen, wahr macht und ist dementsprechend auch unentschlossen. Doch als sie die Kleider neben sich hält, ist die Entscheidung doch nicht so schwer.

Wir nehmen sie beide, denn sie werden dir beide unheimlich gut stehen. Doch deine Farbe ist ganz eindeutig rosa. Also wirst du dieses heute Abend tragen.

Eine äusserst durchdachte Entscheidung. Ihr überrascht mich immer wieder, Lord Chamberlain.

Belle lacht auf und betrachtet erst Marius, dann die beiden Kleider begeistert, während sie in fröhlichem Singsang weiter spricht.

Mit dieser Robe werde ich heute Abend eines Lordes würdig sein.

Marius verdreht die Augen. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn Belle nicht von seinem Titel, einem seiner Titel erfahren hätte. Er will für sie kein Lord oder Baron sein. Nur Marius.

Das bist du auch ohne diese Robe.
sagt er und drückt kurz ihre Hand, während er dem Schneider die Kleider in die Hand drückt, damit er sie einpackt.

Belle lacht nur noch lauter, als sie Marius' offensichtliche Abneigung gegen seinen Titel bemerkt. Sie haucht ihm ein verhältnismässig züchtiges Küsschen auf die Wange und lehnt dann den Kopf gegen seine Schulter, während sie skeptisch zusieht, wie der Mann ihre Kleider einpackt. 

Dir ist doch klar, dass ich dich heute Abend erst einmal deines Zimmers verweisen werde?

Marius bezahlt den nichr gerade geringen Betrag und bedankt sich bei dem Schneider, antwortet Belle aber erst, als sie dessen Laden verlassen haben.

Es wäre für uns beide besser, wenn man dich nicht unbedingt für meine Kurtisane hält.
sagt er dann leise zu ihr, denn darüber macht er sich bei solchen Aussagen wie der ihren wirklich Gedanken.

Nun..

beginnt Belle und reckt ihr Kinn in die Höhe, während sie neben Marius her geht. Ihr schnippischer Ton verrät, dass seine Worte ihr im Augenblick überhaupt nicht gefallen.

Ich bin nicht deine Kurtisane. Was also bin ich?

Marius wird sichtlich von ihren Worten aus seiner Gelassenheit und Sicherheit gerissen. Sein Mund öffnet sich und er legt die Blick auf sie, als wolle er antworten, stockt dann aber wieder. Was soll er denn darauf sagen? 

Eine… Freundin.
Er räuspert sich verlegen uns blickt überall anders hin, während sie weitergehen.

Dann sollte ich mich wohl einer.. Freundin.. entsprechend verhalten.

fährt Belle fort und weicht etwas von Marius' Seite, um nun mit etwas grösserer Distanz neben ihm her zu gehen.

Ich danke dir für den dezenten Hinweis.

Marius blickt sie irritiert an und greift nach ihrer Hand.

Was soll das denn jetzt?
bringt er hervor und blickt sie bittend und fragend an.

Aber nicht doch..

flötet Belle übertrieben gut gelaunt und zieht ihre Hand wieder zurück.

Stellt Euch vor, Lord Chamberlain.. man könnte uns sehen. Und die Hand einer… Freundin.. hält man nicht in der Öffentlichkeit.

Marius hebt die Hand, als hätte er sich alleine bei dem Versuch, die ihre zu berühren, verbrannt. Seine Lippen sind fest aufeinander gepresst, bis er zu sprechen beginnt.

Spiel kein dummes Spiel mit mir, Belle. Ich wollte lediglich deine Ehre bewahren.

Zum einen brauche ich dir wohl nicht zu erläutern, dass du nur deine eigene Ehre bewahren wolltest. Die meine ist mir mit meinem Namen abhanden gekommen.

erklärt Belle ruhig.

Zum anderen wollte ich dir lediglich mitteilen, dass ich jenes Zimmer, das im Augenblick das einzige ist, das ich auch nur annähernd als »Zuhause« bezeichnen könnte, einen Moment lang für mich brauche. Um mich für dich hübsch zu machen. Inwiefern das meiner nicht vorhandenen Ehre schaden soll, müsstest du mir tatsächlich erläutern.

Vielleicht wolltest du das ausdrücken, aber andere könnten daraus schließen, dass du mit mir in einem Raum schläfst, was ja nicht falsch ist, was jedoch ohne Hintergrundwissen andere darauf schließen lassen könnte, dass ich dich für gewisse Dienste bezahle.

sagt Marius scharf.

Und sprich nicht von nicht vorhandener Ehre. Du bist ein Mensch. Eine Frau. Und soweit ich weiß noch immer am Leben. Also besitzt du Ehre, die dir durch solche Gerüchte genommen werden kann.

Es stört dich, wenn der Pöbel weiss, dass ich bei dir nächtige…

stellt Belle überrascht fest und schweigt einen Augenblick lang fast andächtig. Diese Tatsache erstaunt sie tatsächlich und macht sie gleichermassen sprachlos.

Es kümmert mich, wenn sie deshalb weniger Respekt vor dir haben!

Marius steckt die Hände in seine Taschen, damit sie nicht sieht, wie wütend er gerade ist. Schnurstracks geht er weiter, ohne sein Tempo zu drosseln, auch als sie weniger gut hinter ihm herkommt.

Morikles 1.0 Fabian Müller, 2005—2017.
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