Von anderen Völkern
Die vorangegangenen Kapitel widmeten sich jenen sieben Völkern, welche gemeinhin als die großen Völker Drachensteins bezeichnet werden. Sie stellen den überwiegenden Teil der Bevölkerung des Reiches und prägen dessen Geschichte, Politik und Kultur in einem Maße, welches ihre gesonderte Betrachtung rechtfertigt.
Daneben existiert jedoch eine Vielzahl weiterer Wesen und Abstammungslinien, deren Einordnung weit schwieriger fällt. Manche Gelehrte sprechen von kleinen Völkern, andere von magischen Völkern, wieder andere bestreiten gar, dass es sich bei einigen von ihnen überhaupt um eigenständige Völker handelt. Der Verfasser sieht wenig Nutzen darin, sich in diesen Streit einzumischen, und beschränkt sich daher auf einige allgemeine Bemerkungen.
Gemeinsam ist den meisten dieser Wesen, dass ihr Ursprung auf magische Eingriffe zurückgeführt wird. Anders als Menschen, Halblinge, Vampire, Elfen, Elben, Zwerge oder Drachen entstanden sie nicht als eigenständige Entwicklungslinien, sondern wurden durch Angehörige anderer Völker erschaffen, verändert oder geformt. Oft geschah dies absichtlich, zuweilen aber auch als unbeabsichtigte Folge magischer Experimente, Flüche oder Verwandlungen.
Zu diesen Völkern zählen etwa die Orks, deren Entstehung in einem Unterkapitel beschrieben wird. Ebenso finden sich Berichte über Greiffen, Einhörner und zahlreiche andere Wesen, deren Ursprung auf magische Umgestaltung zurückgeführt wird. Nicht selten begegnet man auch Wesen, welche ursprünglich einem anderen Volke angehörten, jedoch durch mächtige Verwandlungsmagie dauerhaft eine neue Gestalt annahmen und diese schließlich an ihre Nachkommen weitergaben.
Manche dieser Linien erwiesen sich als fortpflanzungsfähig und bestehen über viele Generationen fort. Andere verschwanden bereits nach wenigen Jahrzehnten wieder aus der Geschichte. Die Grenzen zwischen Volk, Tier, magischem Wesen und Kuriosität sind hierbei oftmals fließend. Nicht wenige der in den Archiven des Reiches beschriebenen Kreaturen sind vermutlich niemals über einzelne Exemplare hinausgelangt.
Gerade hierin unterscheiden sich diese Völker von den großen Völkern Drachensteins. Während jene über gemeinsame Geschichte, Kultur, Traditionen und oftmals ganze Reiche verfügen, bleiben die kleinen Völker meist lokal begrenzte Erscheinungen. Einige umfassen kaum mehr als einige Dutzend Angehörige, andere nur einzelne Familien oder verstreute Gemeinschaften.
Von besonderem Interesse sind hierbei die Greiffen. Diese weisen seit Jahrhunderten stabile Populationen auf und werden von manchen Gelehrten bereits als eigenes Volk betrachtet. Ähnliches wird gelegentlich über Einhörner und Echsenwesen behauptet, obgleich deren geringe Zahl eine sichere Beurteilung erschwert. Der Verfasser hält es durchaus für möglich, dass künftige Generationen einzelne dieser Völker einst den großen Völkern zurechnen werden, wie dies bereits bei den Zwergen geschah, deren Ursprung gleichfalls auf einen Schöpfungsakt zurückgeführt wird.
Die Vielfalt der Schöpfung scheint jedenfalls größer zu sein, als es die gelehrten Systeme ihrer Beschreiber vermuten lassen. Wo Magie auf Zeit, Zufall und Ehrgeiz trifft, entstehen bisweilen neue Wesen. Die meisten verschwinden wieder; einige aber bleiben, vermehren sich und finden ihren Platz in der Welt. Ob daraus einst neue Völker erwachsen werden, vermag niemand mit Gewissheit zu sagen.