Kaiserreich
Drachenstein

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Es dauert tatsächlich nicht lange, bis Belle Hilfe findet. Ein paar äusserst freundliche Hafenarbeiter, die einen kleinen Zusatzverdienst riechen, tragen ihren Koffer und zeigen ihr den Weg zu den Postkutschen. Sie zeigt den Fahrern die Karte, die sie von Zuhause mitgenommen hat und richtet ihr Hütchen, während die Fahrer sich äusserst hilfsbereit miteinander austauschen und ihr schliesslich eine Route zusammenstellen, die sie von Postkutsche zu Postkutsche, von Ort zu Ort führen wird, bis sie den ganzen Weg nach Süden abgegrast hat. 
Bereits eine Stunde später ruckelt sie zwischen Kisten voller Briefe und Karten los. Nicht dass sie sich eingebildet hätte, dass hier werde ein Zuckerschlecken.. aber der Geruch der Pferdehintern mehr oder weniger direkt vor ihr, das schäbige, viel zu dünne Sitzpolster unter ihrem Hintern und die schrecklich unbeholfenen Versuche des Fahrers, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, lassen sie schon nach wenigen Minuten die Augen schliessen und darum flehen, dass sie wenigstens etwas Schlaf finden wird, damit die Fahrt etwas kürzer erscheint. 
Jeden Abend übernachtet sie in einer Herberge, möglichst im Zentrum der Dörfer und Städte, die sie bereist. Sie fragt sich durch, hält Ohren und Augen offen und lässt sich dann irgendwann schwer auf muffige Strohsäcke sinken. Viele Abende verstreichen erfolglos. Hin und wieder erfährt Belle, wo Marius noch vor einer Woche war, doch in der Zwischenzeit ist er dort längst wieder weg. 
Dann, endlich, als sie schon fast geglaubt hat, den Weg zurück nach Rosener antreten zu müssen, weil Jayden recht hatte und sie Marius verpasst, erhält sie einen entscheidenden Hinweis. 

Marius Chamberlain 25.08.2017, 23:44

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»Chamberlain, sagt Ihr?«

fragt der bärtige Mann am Tresen, der so aussieht, als hätte er sich bereits seit Tagen nicht mehr bewegt, zum dritten Mal.
»Ja, der war hier. Wollte ein Zimmer. Aber ich habe ja Wucherpreise… Das ist nicht lache! Der Junge hat doch genug Geld!«

Belles erster Impuls war es zwar, dem Kerl gehörig den Marsch zu blasen. Immerhin sind Reiche nicht reich geworden, weil sie jeden Wucherpreis eines grossmäuligen Halsabschneiders bezahlt haben.. Doch sie besinnt sich und lacht gespielt empört auf.

Wahre Worte mein Herr.. Sagt.. wisst Ihr zufällig, in welche Richtung Chamberlain unterwegs war?

Gideon Chamberlain 26.08.2017, 15:58

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»Was interessiert mich das? Er ist kein Kunde.«

Der Umfangreiche zuckt mit den speckigen Schultern.
»Aber war erst gestern hier. Ist sicher noch in der Stadt.«

Belle wird hellhörig.

Gestern Abend? Weshalb sagt Ihr das denn nicht gleich.. 

Sie lächelt, zieht eine Münze aus der Tasche und schnipst sie dem Wirt entgegen.

Habt Dank für die Auskunft. 

Schliesslich wendet sie sich ab, verlässt eilig das Gasthaus und läuft mehr oder weniger ziellos durch die belebten Gassen. Wo Marius ist, müsste es tuschelnde Weiber geben, grimmige Gardisten, die sie womöglich sogar gleich erkennt, und nicht zuletzt eine ganze Menge Tunichtgute, die in den Schatten hinter ihm her schleichen. Etwas davon wird ihr auffallen, sollte sie nicht sogar Marius selbst über den Weg stolpern.

Marius Chamberlain 26.08.2017, 21:21

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Doch weit und breit scheint es keine Spur von Marius zu geben. Keine aufgebrachten Frauenscharen. Keine Wachenversammlungen. Kein Anzeichen von höherem Besuch.

Ungläubig geht Belle durch die Gassen. Keine Spur von Marius. Absolut. Nichts. Es ist frustrierend. Aber eine letzte Idee hat sie schliesslich noch. Wenn sie die Wachen an der Stadtmauer fragt, wird sie zumindest erfahren, aus welcher Richtung Marius das Städtchen betreten und ob er es bereits wieder verlassen hat. 

Marius Chamberlain 26.08.2017, 23:44

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»Chamberlain?«

fragen auch diese und blicken sie mit hochgezogenen Augenbrauen an.
»Der ist irgendwie in Bricks.«
sagt einer von ihnen dann und nennt eines der Stadtviertel.
»Glaube ich. Hat nach einem Gasthaus gefragt.«

Innerlich jubelt Belle auf. Marius ist noch hier. Und wenn es stimmt, was die Wache sagt, dann kann sie ihre Suche nun auf ein einziges Stadtviertel eingrenzen. 

Und welches habt Ihr ihm genannt?

fragt sie liebreizend und hofft inständig, dass er nun nicht eben jenes nennt, in welchem sie heute ihren ersten Hinweis erhalten hat. 

Marius Chamberlain 27.08.2017, 14:23

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»Zwei nannten wir ihm.«

erwidert die Wache und nennt sogleich den Namen des bereits Besuchten und eines weiteren Gasthauses: Die Rote Taube. Dann deuten sie ihr auch noch den kürzesten Weg zu den beiden, können sie ja nicht wissen, dass Belle das eine schon besucht hat. Als sie sich mit hoffnungsvollen Augen entfernt, kann der eine sich nicht mehr halten.
»Sie hätte ja ruhig mal mit uns zum Dank machen können, was sie mit diesem Chamberlain jetzt machen wird. So könnten wir sie uns sicher nicht leisten.«

Belle macht einen kleinen Umweg über das Gasthaus, in welchem sie selbst nächtigt und wo ihr Gepäck bereits untergebracht wurde. Dort streift sie sich ein frisches Kleid über, wäscht sich noch einmal das Gesicht, kontrolliert den Sitz ihrer Haare und doch fühlt sich dann kein bisschen bereit dafür, Marius zu begegnen. 
Unweigerlich muss sie an Jayden denken und daran, dass sie nicht zugelassen hätte, dass er sich Gideon nicht stellt. Und so steht sie, dank ihrer beiden Abmachung, nun wohl mittlerweile längst in seiner Schuld und wird das hier durchziehen müssen. Mit klopfendem Herzen steht sie schliesslich im genannten Gasthaus und geht auf den Tresen zu. 

Marius Chamberlain 27.08.2017, 17:56

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»Guten Abend, MyLady. Sie wünschen?«

fragt der Mann mit einem sympathischen Lächeln und schlägt das große Buch auf, indem er scheinbar ihre Reservierung vermerken will.

Guten Abend, mein Herr.

antwortet Belle freundlich lächelnd, während sie sich am Tresen festhält, um das leichte Zittern ihrer Beine zu verbergen.

Verzeiht die Störung, vorerst brauche ich nur eine Auskunft. Lord Chamberlain, ist er zufällig hier, in Eurem gemütlichen Gasthaus abgestiegen?

Marius Chamberlain 27.08.2017, 18:24

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Das Gesicht des Mannes wirkt etwas verkniffen, als sie das fragt. Scheinbar gefällt es ihm nicht, eine solche Auskunft geben zu sollen.
»Verzeiht, MyLady, aber eine solche Auskunft gebe ich niemandem.«

In Ordnung.. das.. verstehe ich. 

antwortet Belle und hebt abwehrend die Hände. Dann greift sie in ihre Tasche und zieht ein gefaltetes Stück Pergament daraus hervor, auf welches sie in ihrem Zimmer ein paar eilige Worte geschrieben hat. Denn tatsächlich hat sie damit gerechnet, nicht zu Marius vor gelassen zu werden. Die Tatsache, dass der Wirt aber nicht abgestritten hat, dass Marius hier ist, spricht Bände.

Gesetzt den Fall, er wäre tatsächlich hier abgestiegen, bitte ich Euch lediglich, ihm diesen Brief zu geben. 

Sie schüttelt eilig den Kopf, legt das Stück Pergament vor ihm auf den Tresen und legt lächelnd einen Zeigefinger auf ihre Lippen.

Schhh… Mit einer Antwort müsstet Ihr entweder lügen, um Euren Gast zu schützen, oder zugeben, dass er hier ist. Also sagt nichts, ich lasse den Zettel einfach hier liegen und hoffe, dass ich aufs richtige Gasthaus gesetzt habe, in Ordnung?

Marius Chamberlain 27.08.2017, 18:36

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Der Mann versucht, keine Miene zu verziehen, doch ganz gelingt es ihm nicht. Er nickt knapp und schiebt den Brief unter den Tresen, bevor er sich wieder an die Arbeit macht, da sie ja scheinbar keine Kundin ist.

Belle dreht sich nach seinem Nicken schwungvoll um und verlässt mit raschelndem Kleid das Gasthaus.

Marius Chamberlain 27.08.2017, 19:23

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Als Marius schließlich am Abend aus seinem Zimmer kommt, um sich ein Restaurant zu suchen, gibt der Wirt ihm das Schreiben. Irritiert blickt Marius auf den Brief hinunter und nimmt ihn mit auf den Weg, auf dem ihm zwei Sachen folgen. Bereits unterwegs öffnet er den Brief neugierig.

Belle hat das Schreiben mit Absicht kurz und neutral gehalten. Sie geht davon aus, dass mindestens der Gastwirt, wenn nicht sogar das restliche, neugierige Personal ihn gelesen hat.

Marius,
Gideon war so gütig, mir deine Reiseroute zukommen zu lassen, ich bin froh, dich endlich gefunden zu haben. Ich würde dir gerne so vieles sagen und erklären. 
Heute Abend, sobald die Sonne am Horizont verschwunden ist, werde ich am Glücksbrunnen vor dem Marktplatz, unweit deines Gasthauses auf dich warten. Solltest du dort bis zum Morgengrauen nicht auftauchen, werde ich aus deinem Leben verschwinden und dich nicht mehr behelligen, das schwöre ich aufrichtig. 

In der Hoffnung, dich heute zu sehen

Belle

Marius Chamberlain 27.08.2017, 20:40

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Marius bleibt ohne Umschweife stehen, als er Belles Schrift erkennt, ihre Worte zu lesen beginnt. Seine Wachen sprechen ihn höflich und fragend an, doch er ignoriert sie einfach. Belle… Sie ist hier? Wie kommt sie hier her? Warum jetzt? Hat sie ihn nicht schon längst vergessen? Nimmt sie es ihm übel, sich nicht mehr bei ihr gemeldet zu haben? Versteht sie, dass er es ihnen beiden leichter machen wollte? Dass er befürchtete, sie könnten einfach nicht zusammen passen? Dass zu viel zwischen ihnen steht? Er kann sich diese Fragen nicht selbst beantworten. Also beschließt er, pünktlich bei Sonnenuntergang am Treffpunkt zu erscheinen.

Morikles 1.0 Fabian Müller, 2005—2017.
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