Kaiserreich
Drachenstein

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Das heilende Licht

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Silas da Rumata 11.09.2018, 16:51

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Mehrere Herzschläge lang regt Silas sich ebenfalls nicht. Er lauscht Tamis Atem, der noch immer die selbe, beruhigende Wirkung auf ihn hat, wie damals, als sie zum ersten Mal hier in seinem Turm gelegen hat. Er hört ihrem feinen Herzen an, dass sie nicht schläft. Dennoch sagt er nichts.
Irgendwann sinkt er in die Knie und setzt sich auf die oberste Stufe, schliesst die Augen und wünscht sich insgeheim, dieser Augenblick würde niemals enden. 

Tami Qevir 11.09.2018, 19:31

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Irgendwann hält es Tami nicht mehr aus und schleicht von dem Bett hinunter. Sie weiß, dass sie ihre Bewegung nicht vor Silas verbergen kann, doch sie hofft, dass er dennoch verharrt und nicht wegläufft. So kann nun sie auf ihn zugehen, als wäre sie stark und es an ihr, ihn zu trösten. Sie setzt sich zu ihm auf den Treppenabsatz und mustert ihn einen Moment schweigend.

Silas da Rumata 12.09.2018, 07:12

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Entschuldige, ich wusste nicht, ob du allein sein willst.

sagt Silas schliesslich leise, als Tami sich neben ihn gesetzt hat. Fast schon hat er Angst, dass er diese Stille.. diesen Frieden zwischen ihnen beiden mit zu lauten Worten zerstören könnte. Und auch die Augen öffnet er nicht. Er sollte nicht hier sein. Nicht hier sitzen. Und wenn, dann wäre spätestens jetzt der Moment gekommen, in welchem er aufstehen und gehen müsste.

Tami Qevir 12.09.2018, 11:20

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Das wollte ich auch.

gesteht Tami, setzt dann jedoch vollkommen ehrlich hinterher:
Aber mit dir möchte ich noch viel lieber zusammen sein.
Zum ersten Mal in all den Gesprächen mit Silas hat sie das Gefühl, die Wahrheit zu sagen. Wirklich die Wahrheit.

Silas da Rumata 12.09.2018, 11:37

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Nun öffnet der Vampir seine Augen doch. Zögernd. Widerwillig. In seinem Kopf bilden sich Wörter.. Sätze.. aber keiner davon könnte auch nur annähernd ausdrücken, was er Tami gerne sagen würde. Und so sieht er sie eine geraume Weile einfach an. 

Ich bin.. nicht die beste Gesellschaft, die du haben könntest. Bei weitem nicht. Was willst du denn mit einem alten Vampir wie mir, hm?

Tami Qevir 12.09.2018, 12:48

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Tami wendet den Blick ab, da sie sich so jung und dumm vorkommt im Gegensatz zu Silas. Und so unbedeutend.
Ich würde ihn zuerst einmal kennenlernen wollen. Richtig kennenlernen. Aber gewiss ist seine Zeit dafür zu kostbar.

Silas da Rumata 12.09.2018, 13:03

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Silas schüttelt sanft den Kopf. Es gefällt ihm nicht, wie Tami sich seinetwegen klein macht.

Nein, das ist es nicht, Tami. Wenn ich von etwas genug habe, dann Zeit.

Er sieht hinunter auf seine Hände und spricht schliesslich die Worte aus, die für ihn einer persönlichen Niederlage gleich kommen. 

Aber du hattest recht. Mein Herz ist nicht frei. Würde es bei diesen Worten nicht so schmerzen, wäre ich nicht einmal mehr sicher, ob es überhaupt noch schlägt.

Tami Qevir 12.09.2018, 16:38

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Tamis Herz zieht sich schmerzhaft zusammen, auch wenn sie sich eigentlich doch freuen sollte, da Silas zum ersten Mal ehrlich das ausgesprochen zu haben scheint, was er denkt. Dennoch schmerzt es eben.
Also willst du, dass ich gehe? Fühlt es sich… für dich dann besser an?

Silas da Rumata 12.09.2018, 17:27

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Eine wirklich gute Frage. Silas zögert, denn sie ist nicht leicht zu beantworten. Natürlich will er nicht, dass sie geht. Ihm wäre es am liebsten, sie bliebe einfach bei ihm. Und das würde er ihr auch sagen, wäre dieser Gedanke nicht getrieben von purem Egoismus. 

Nein, es wird sich für mich nicht besser anfühlen. Aber für dich vermutlich irgendwann. Ich will, dass du lebst, Tami. Dass du die Welt entdeckst. Und dein Glück findest. Dann wird es auch mir besser gehen. 

Tami Qevir 12.09.2018, 17:52

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Glaubst du das wirklich oder sagst du das, damit ich mich weniger elend fühle, wenn ich weggehe? Falls ich das tue.

setzt Tami noch nach, dann schweigt sie wieder und blickt ihn einfach eindringlich an. Sie wartet ab, will die Antwort aber gar nicht wirklich wissen.

Silas da Rumata 12.09.2018, 18:03

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Silas erwidert den Blick und schüttelt sanft den Kopf. Dann fährt er sich mit den Händen übers Gesicht und sieht hoch zum Himmel.

Ganz ehrlich? Ich weiss nicht, wen ich hier überzeugen will. Dich oder mich. Oder uns beide. 

Tami Qevir 12.09.2018, 19:37

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Aber…

Tami hält inne und presst ihre Zähne fest auf einander. Soll sie diese Frage wirklich stellen? Wenn die Antwort anders ausfällt, als zu ihrem Gefallen, könnte vermutlich ihr ganzes Leben in sich zusammen brechen. So überdramatisiert das scheinen mag. Doch sie weiß, dass sie es nie erfahren wird, wenn nicht jetzt. Also nimmt sie all ihren Mut zusammen und fragt:
Aber du empfindest doch auch etwas für mich, oder? Das bilde ich mir doch nicht nur ein.

Silas da Rumata 13.09.2018, 08:13

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Genau wie Tami daran zweifelt, ob sie die Antwort auf diese Frage hören möchte, zweifelt auch Silas. Er atmet hörbar aus und schliesst die Augen erneut. Sein schweigen ist lang und wenn man ihn nicht kennt, könnte man es für absichtliche Zeitschinderei halten. Das ist es aber keineswegs.

Viel eher denkt er darüber nach, was er nun sagen soll. Das, was seiner Meinung nach für Tami das Beste zu hören wäre? Die Wahrheit? Oder etwas dazwischen? 

Weisst du, es gibt tausend Gründe, weshalb du an meiner Seite niemals glücklich werden würdest.

flüstert er schliesslich leise und zwingt sich, Tami direkt anzusehen. Auch wenn es ihm gerade jetzt sehr schwer fällt.

Ich könnte sie dir alle nennen, aber.. danach hast du nicht gefragt, also.. Du willst die Wahrheit?

Ein erneutes, diesmal viel kürzeres Schweigen folgt. Dann ein schwaches Nicken.

Natürlich empfinde ich etwas für dich.

Tami Qevir 13.09.2018, 09:58

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Nur ein tausend Gründe? Das scheint mir nicht gerade aussagekräftig.

bemerkt Tami leise und lacht ebenso auf, bevor Silas auch nur weitersprechen kann. Dann wartet sie wieder schweigend ab, bis er ihre Frage endlich beantwortet hat. Ein Felsbrocken fällt von ihrem Herzen und es beginnt, wieder zu flattern und zu fliegen, vielleicht sogar mehr als jemals zuvor.
Das ist mehr als ich erwartet habe, Silas. Und vollkommen ausreichend für mich. Dein Herz ist nicht frei? Das ist in Ordnung. Ich weiß auch nicht sicher, ob ich momentan für all das zwischen uns bereit wäre. Aber wer weiß, wie es in drei Sommern aussieht. Oder nach weiteren sieben.
Tami muss sich selbst eingestehen, dass sie ihrer Meinung nach gerade äußerst erwachsen klingt.
Ich bin nicht bereit dazu, hier zu warten, bis du dich von ihr lösen kannst, wenn du mich sowieso nicht daran teilhaben lässt. Aber ich bin durchaus bereit, von da zurück zu kommen, wo immer mich mein Weg für die nächsten drei Winter hinzieht.

Silas da Rumata 13.09.2018, 10:26

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Ich will auch nicht, dass du wartest.

gibt Silas zu und fühlt sich unglaublich elend. Tami ist überraschend gefasst, ganz im Gegensatz zu ihm. Solche Worte auszusprechen, ehrlich über Gefühle zu reden, die er am liebsten gar nicht erst hätte, macht ihm erst bewusst, wie labil er im Augenblick ist. Und das ist für einen Vampir – insbesondere einen, der sich selbst zumeist für unfehlbar hält – das schlimmste Gefühl überhaupt. 

Leb, Tami. Ausgelassen. Fröhlich. Ich sehe doch, wie viel Spass du mit jemand unbeschwertem wie Sean hast. Sing und tanze wie ein kleiner Vogel, du Wildfang. Und geniess deine Freiheit.

Tami Qevir 13.09.2018, 11:18

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Frei werde ich erst sein, wenn mein Herz in sicheren Händen verwahrt wird.

gibt Tami lächelt zu bedenken. Sie streckt ihre Hand aus und wartet darauf, dass Silas sie ergreifen möge.

Silas da Rumata 13.09.2018, 11:34

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Doch anstatt sie zu ergreifen, sieht Silas Tamis Hand nur an. Alles hier fühlt sich unglaublich falsch an. Er sollte nich hier sein, sich nicht mit Dingen wie romantischen Gefühlen befassen, die er eigentlich von Grund auf verabscheut. Wieder taucht Claire vor seinem inneren Auge auf und quält ihn mit ihrem makellosen Antlitz, ihrem wunderschönen Lächeln und dem letzten Blick, den sie ihm zugeworfen hat, ehe sie endgültig verschwand. Und je mehr er sich bemüht, das Bild los zu werden, umso lauter dringt Tamis starker, regelmässiger Herzschlag zu ihm durch, als gäbe es den Takt für sein eigenes an, um es daran zu hindern, einfach zu schlagen aufzuhören.

Ich verliere den Verstand, Tami.

flüstert der Vampir, während er noch immer auf ihre Hand starrt.

Du hast.. vorletzte Nacht im Wald einfach aufgehört zu atmen und ich konnte… nichts tun. Ich habe gehört, wie still es war. Viele Minuten lang. Und ich dachte, ich höre deinen Herzschlag niemals wieder. Ich dachte wirklich, ich verliere dich auch.

Tami Qevir 13.09.2018, 12:43

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Du wirst mich nicht verlieren, solange du es nicht zulässt.

erklärt Tami sanft und doch zugleich mit einem Hauch von Panik, der von dem Gefühl herrührt, nichts wirklich für ihn tun zu können, obwohl sie ihm doch so unbedingt helfen will. Sie hebt ihre Hand und streift mit ihren Fingern seine Wange, bevor er sie davon abhalten oder auch nur zurückschrecken kann. Insgeheim glaubt sie zu wissen, dass er das will und gar braucht, und doch wagt sie nicht, mehr zu tun, als ihn ganz leicht zu berühren.

Silas da Rumata 13.09.2018, 13:16

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Aber ich kann dich nicht beschützen. Ich kann niemanden beschützen, auch wenn ich es versuche. Es gibt… so viele Dinge, dir dir zustossen könnten. Und das macht mich verrückt.

erwidert Silas und noch ehe Tamis Finger seine Haut berühren, schliesst er die Augen. Einen Moment wird er sich geben. Für Tami. Für sie beide. Ihre Berührung ist so sanft und tröstend, dass er nichts weiter tun kann, als da zu sitzen und es geschehen zu lassen.

In jeder anderen Situation – mit jedem anderen Menschen – wäre ihm sein Verhalten mehr als peinlich. Aber Tami weiss, welche Abgründe sich in seinem Inneren auftun. Ihr hat er sich anvertraut, so wie sie sich ihm. 

Tami Qevir 13.09.2018, 14:06

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Du musst deinen Wildfang nicht beschützen, Silas. Das kann ich gut genug. Du musst mir nur einen Grund geben, hierher zurück zu kommen.

Nun wo Silas die Augen geschlossen hält, fällt es ihr leichter, sich so weit vorsinken zu lassen, bis ihre Stirn seine berührt. Sie weiß, dass er sich ihr jederzeit entziehen könnte, aber auch, dass er es nicht tun wird, auch wenn dieser Moment für ihn wunderschön und zugleich die Hölle sein muss.
Ich weiß nicht, ob ich dich liebe, Silas, oder ob du mich jemals lieben können wirst wie sie. Aber ich weiß, dass wir noch so viel Zeit vor uns haben, die wir nicht ungenutzt lassen sollten, egal wie auswegslos es manchmal scheint.

Morikles 1.0 Fabian Müller, 2005—2017.
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