Maurice hätte Shae niemals darum gebeten, doch nun, da sie es von sich aus anbietet, nickt er schwach und schickt ein weiteres Lächeln hinterher.
Ich hatte wohl lange nichts zu beissen..
Wie gesagt, es waren nur ein paar Tage.
meint Shae neckend, geht aber lächelnd los, um Maurice noch mehr zu holen. Von ihr aus kann er das ganze Brot verputzen, sie würde ihn immer noch hinreißend finden.
Maurice muss erneut schmunzeln. Ja, er ist erst seit ein paar Tagen hier, aber er kann sich noch lebhaft an die Durststrecke davor erinnern. Tief im Bauch eines Schiffes. Unauffällig als blinder Passagier, um auf keiner Bordliste aufzutauchen. Kein Essen im Überfluss. Und erst recht keine Gesellschaft. Und während der Elb so nachdenkt, kommt er nicht umhin zu bemerken, dass er durch diesen Sturz zwar seine Arbeit verloren, sich seine Situation aber insgesamt dennoch verbessert hat. Zumindest für den Moment.
Als Shae mit den frischgeschnittenen Scheiben zurück kommt, legt sie sie auf das Tablett und lässt sich dann wieder auf ihre Liege sinken. Sie hat ihren Hunger gestillt, sodass sie Maurice nun nur noch eindringlicher beobachten kann.
Maurice isst hungrig ein weiteres Stück Brot und sieht dabei immer wieder lächelnd hinüber zu Shae. Das ist wirklich seltsam, so viel Zeit mit ein und der selben Person zu verbringen. Ungewöhnlich. Aber nicht Unangenehm.
Ich glaube, mehr geht nicht..
sagt er schliesslich und lässt die Hand sinken, als er genug gegessen hat.
Da bin ich aber beruhigt. Mehr hätte ich Euch nämlich auch nicht bieten können. Vermutlich muss Mab heute noch etwas Brot besorgen. Oder ich tue es. Wir konnten ja nicht ahnen, dass wir einen so hungrigen Gast bewirten werden.
Man könnte Shaes Worte durchaus als Vorwurf verstehen, doch ihre sanften Augen und ihr strahlendes Grinsen machen diesen gleich wieder wet.
Benötigst du sonst noch irgendetwas?
Im ersten Moment ist Maurice etwas irritiert, doch dann sieht er den Schalk in Shaes Augen und schmunzelt ebenfalls.
Und noch bin ich nicht einmal im Vollbesitz meiner Kräfte..
scherzt er und deutet mit dem gesunden Arm auf seinen unnützen Körper. Dann zieht er zaghaft die Beine an, denn sie scheinen immerhin nicht in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein.
Nein, ich glaube nicht. Danke Shae.
Shae wirkt beinahe enttäuscht, nicht noch mehr für Maurice tun zu können, hält ihr Lächeln jedoch aufrecht.
Brauchst du im Moment noch etwas? Sonst werde ich… Mab bitten, in einer Stunde wieder nach dir zu sehen und derweil schnell in die Stadt gehen.
Du willst weg gehen?! Maurices Herz setzt einen Schlag lang aus. Peinlich genug, dass er sich innerhalb von nur zwei Tagen so sehr an die Anwesenheit eines anderen Wesens gewöhnt hat. Aber dass ihn nun, bei der Aussicht auf ein paar Stunden ohne Shae, fast schon panikartige Angst überfällt, ist ihm nun wirklich äusserst unangenehm.
Nein, ich brauche nichts. Danke. Geh nur.. in die Stadt.
Der Elb lächelt schwach und nickt zur Bekräftigung seiner Worte.
Shae ist sich nicht sicher, glaube aber gehört zu haben, wie sein Herz erst einen Moment ausgesetzt und dann beschleunigt seine Arbeit wieder aufgenommen hat.
Rufe nach Mab, wenn du dich nicht gut fühlst, in Ordnung?
Dann wendet sie sich zögerlich ab und geht einen Korb holen, nur um kurz darauf in Richtung Haupteingang erneut Maurice mit einem sanften Lächeln zu passieren.
Auch Maurice lächelt noch einmal, als Shae schliesslich verschwindet, auch wenn er sich überhaupt nicht danach fühlt.
Gut gelaunt verlässt Shae die Gewächshäuser in Richtung Stadt und ist gespannt darauf, sie nun einmal selbst ein wenig erkunden zu können. Doch als sie gerade einmal hundert Meter von den Gewächshäusern entfernt ist, bemerkt sie, wie sie unweigerlich ihr Tempo erhöht hat, um schneller zurück zu Maurice zu kommen. Hoffentlich findet sie schnell eine Bäckerei oder einen Markt.
Sie ist Euch nicht von der Seite gewichen, seit Ihr hier seid. Nicht einmal nachts.
Mab lächelt und lässt sich neben dem Elben auf einen Hocker nieder. Dann schiebt sie die Decke zur Seite und macht sich am Verband an seinem Oberkörper zu schaffen. Doch der Patient antwortet nicht sondern öffnet nur kurz müde die Augen. Die Alchemistin hält in ihrem Tun inne und runzelt die Stirn.
Maurice?
fragt sie überrascht und legt ihre Hand erst auf seine Stirn, dann an die Ader an seinem Hals.
Himmel, Euer Pulst rast ja. Ganz ruhig.. ist doch alles in Ordnung. Ihr seid in Sicherheit.
Sie nimmt den feuchten Lappen und tupft die Stirn des Elben ab, während sie spürt, wie er immer unruhiger wird.
Was? Was? Waaaaas? Shae kommt erst in einer Stunde oder so wieder!
^^ Ich lass ihn ja nicht sterben oder so.
In Mabs Gehirn arbeitet es. Sie kontrolliert die Wunde an der Stirn des Elben, doch alles sieht aus, wie es eben aussehen soll. Keine Schwellungen. Keine Rötung.
Schon gut, ich geb Euch was.
flüstert sie beinahe mütterlich, zieht die Decke wieder über Maurices schlanken Körper und verabreicht ihm ein paar Tropfen Kavasud direkt auf die Innenseite seiner Unterlippe.