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Korrespondenz zwischen Amelia von Lantset und Gideon Chamberlain

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Zwei Wochen nachdem Belle sich am Hafen von Rosener von Gideon verabschiedet hat, erscheint ein Bote im Schloss und überreicht ihm ein Schreiben. Selbst der Umschlag trägt einen feinen, geprägten Schriftzug: Amelia Lucrezia von Lantset. Im Innern verbirgt sich ein Brief, fein säuberlich geschrieben und gefaltet. Und er duftet nicht gerade dezent nach Rosen. 

Sali Vuz mein Sonnenschein

Sieh an, mein altes Ich verfügt tatsächlich über ausserordentlich hübsches Briefpapier. Wie nur konntest du das erahnen, frage ich mich?

Wie du siehst bin ich also unversehrt an jenem Ort angekommen, den ich früher mein Zuhause nannte. Eine Ansammlung von Menschen, die mich verachten, sich aber bemühen mich das nicht spüren zu lassen, umgibt mich den ganzen Tag über. Umgab. Ich habe sie alle fort geschickt, weil ich ihre feindseligen Blicke nicht mehr ertragen konnte. Ich fühle mich so fremd wie am ersten Tag, und bis auf ein paar Gegenstände, die ich wider erkannte, ist mir Amelia noch weniger zugänglich als am Tag meiner Abreise aus Rosener. 

Du kannst nicht erahnen, wie sehr ich mich danach verzehre zu erfahren, wie es dir und Marius ergangen ist. Erschreckend, wie penetrant ihr euch in mein Gedächtnis gebrannt habt. Ja, selbst du und dein überschwängliches Lächeln sind mir in Erinnerung geblieben. 

Ich halte es für besser, Marius nichts von diesem Brief zu berichten. Und ich bin sicher, du wirst mir zustimmen. 

Aus dem Land der endlosen Ahnungslosigkeit grüsst dich

Belle

Gideon Chamberlain 12.07.2017, 21:33

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Ein kleines Grinsen schleicht sich auf meine Lippen, als ich zwei Wochen nach Amelias Abreise tatsächlich einen Brief von ihr in der Hand halte. Fein säuberlich geschrieben und nach… Blumen duftend. Und dabei habe ich ihn noch nicht einmal geöffnet. Ich bedanke mich bei dem Laufburschen und will ihn gerade einstecken, als mir jemand auf die Schulter klopft und von hinten an mir vorbei geht. Sofort bin ich alamiert, aber dann ist es nur Marius. Oder naja, gerade Marius.
»Was hast du da? Ein Liebesbrief?«
Ich schiebe den Brief nur noch schneller in seine Jackentasche und mustere Marius knapp. Er sieht wirklich besser aus, lächelt sogar wieder. Die ersten Tage nach Connors Tod waren schrecklich. Er konnte sich noch etwas an die Nacht erinnern, aber nicht mehr an die Momente, in denen ich ihn mit Belle alleine gelassen habe. Also wusste keiner von uns, was sie genau gesagt hat. Das hat ihn fertig gemacht. Er sehnte sich nach ihr und ich habe es beinahe bereut, sie weggeschickt zu haben. Doch ich glaube noch immer, dass es besser so ist.
Ja, sicher. Von meinen tausend Verehrern.
erwidere ich mit gesenkter Stimme, nicht ohne mich vorher kurz im Gang umgesehen zu haben. Marius grinst knapp und wir gehen zusammen zu einer Sitzung bei Mina. Erst am Abend komme ich dazu, den Brief in meinem Zimmer und bei Kerzenschein zu lesen. Ich schmunzele. Mehrfach. Und ich kann nicht verhindern, dass ich sie mehr und mehr ins Herz schließe.

Belle wartet ungeduldig auf eine Antwort. Für ihren Geschmack dauert es deutlich zu lange, bis sie endlich einen Brief in den Händen hält. Eilig huscht sie damit quer durch das verlassene Anwesen und ihre Schritte klingen in den leeren Hallen wie Donnerschläge. Erst, als sie ihr Gemach erreicht, reisst sie den Umschlag auf und entfaltet den Brief, lässt ihren Blick rasch hinunter zur Unterschrift schweifen und drückt das Pergament dann erleichtert gegen ihre Brust. Er ist wirklich von Gideon.
Eine Stunde später sitzt sie am Schreibtisch, Gideons Brief neben sich auf der Tischplatte. Sie hat ihn wieder und wieder durchgelesen und macht sich nun daran, ihm so schnell wie möglich eine Antwort zu schreiben.

Mein treuer Brieffreund

beginnt sie und muss unweigerlich schmunzeln.

Du hast es erfasst. Verrotten sollen sie alle. Und Amelia sollen sie gleich mitnehmen. Deine Sorge jedoch ist unbegründet. Oder war es mehr eine Wunschvorstellung? Oder gar eine heimliche Fantasie, die du in einsamen Nächten heraufbeschwörst? So oder so, ich werde weder Staub wischen noch den teuren Marmor auf den Knien polieren.

Das Glück hat mir wenigstens einmal in die Hände gespielt. Ich habe eine junge Frau aufgelesen, verwahrlostes kleines Ding. Aber sehr emsig. Sie kann in meinen Räumlichkeiten wohnen, solange sie sie ausreichend pflegt. Ich selbst habe mich in einen Seitenflügel zurück gezogen.

Ob du es nun glaubst oder nicht, ich denke tatsächlich fast so oft an dich, wie sich meine Gedanken um Marius drehen. Es ist trotz der schmerzenden Wirkung dieser Worte schön zu lesen, dass er allmählich neuen Mut fasst und versucht, weiter zu gehen. Das sollten wir vielleicht alle tun, findest du nicht?

In diesem Sinne habe ich gestern versucht, etwas Plunder los zu werden. Vermutlich haben all die glänzenden, polierten Reichtümer mir früher etwas bedeutet, heute sind sie nichts weiter als fremder Ballast. Ich wollte alles verschenken oder zumindest weit unter dem Wert verkaufen. Geld habe ich genug und da draussen gibt es genügend Leute, denen es nicht ganz so gut ergeht. Dachte ich zumindest. Denn auf meinem Anwesen hat sich keiner eingefunden, der etwas haben wollte. Sie alle meiden mich und diesen Ort hier. Und nach den Geschichten, die ich so aufschnappe, kann ich es ihnen nicht verdenken.

Es ist nicht leicht, etwas zu verändern. Oder schon nur den Mut aufzubringen, sich jemandem mitzuteilen und zu öffnen. Ich schätze, die Distanz hilft mir, diese Briefe zu formulieren. Und das Wissen, dass Marius niemals erfahren wird, welche Hölle ich hier durchmache. Bleib also weiter dabei und erzähl ihm nichts von meinen Worten.

Seltsam, dass ausgerechnet du zu meinem einzigen Vertrauten geworden bist, mein Sonnenschein..

Ich schicke dir warme Grüsse vom einsamsten Ort der Welt.

Belle

Gideon Chamberlain 13.07.2017, 10:41

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Mir bricht kalter Schweiß aus, als ich Amelias Brief nach einem erschöpfenden Tag erneut im Kerzenschein zu lesen beginne.
ich denke tatsächlich fast so oft an dich, wie sich meine Gedanken um Marius drehen.
weiter zu gehen. Das sollten wir vielleicht alle tun, findest du nicht?
du zu meinem einzigen Vertrauten geworden bist, mein Sonnenschein..
Ich schicke dir warme Grüsse vom einsamsten Ort der Welt.
Ich zucke zusammen, als sich Arme von hinten um meine Schultern legen und ein Kuss auf meinen Hals folgt. Schnell entspanne ich mich wieder.
»Mein Sonnenschein? Meinem einzigen Vertrauten? Muss ich mir Sorgen machen?«
Ich schmunzele leicht, weiß aber selber nicht wirklich, ob ich mir selber Sorgen machen muss. Ich will nicht, dass sie fast so oft an mich denkt wie an Marius. Das ist völlig falsch.
Ganz gewiss nicht. Sie ist nur eine Brieffreundin. Weit weg in einem anderen Land.
Ich schließe einen Moment die Augen und lasse zu, dass die Arme über meine Brust wandern und die Hände sich in die Nähe meines Hosenbundes begeben. Doch nur einen Moment lang, dann ziehe ich sie vorsichtig zurück.

Gib mir noch ein paar Minuten, dann komme ich ins Bett, versprochen.

Gideon

Mit grosser Besorgnis habe ich die Neuigkeiten aus Rosener gehört. Entspricht es den Tatsachen, dass ein weitere Anschlag auf die Königin vereitelt wurde? Seid Ihr alle in Ordnung? Niemand verletzt? Oh bitte schreib, dass es dir und Marius gut geht, ich warte auf ungeduldig auf weitere Nachrichten von dir..

Sie hält im Schreiben inne und liest Gideons Brief noch einmal durch. Diesmal ist er kürzer gehalten. Wesentlich knapper und seine Worte fühlen sich hastiger an. Eiliger. 

Ich habe deinen Rat befolgt und bin auf die Leute zu gegangen. Himmel – was soll ich sagen.. sie hassen mich. Und noch immer höre ich nur Geschichten, kann mich aber nicht daran erinnern, all diese Dinge getan zu haben, die man mir vor wirft. Eigentlich kann ich mir nicht einmal vorstellen, dass ich dazu überhaupt in der Lage wäre..

Belle schliesst kurz die Augen und schluckt die heissen Tränen hinunter. Tatsächlich ist Gideon der einzige, mit dem sie kommuniziert. Und der einzige neben Marius, der ihr ihre Geschichte abkauft. Aber sie wird den Teufel tun und ihm davon berichten, wie sie seit ein Paar Tagen nicht einmal mehr im Haupthaus, sondern nur noch in einem Angestelltenhaus aufhält. Davon, wie der Staub sich unter den gigantischen Kronleuchtern sammelt. Davon, wie einsam sie sich fühlt oder davon, wie sehr Marius ihr fehlt. Und wie unfassbar sie sich wünscht, wieder zurück nach Rosener zu gehen.

Pass auf Marius auf und schick mir Bericht über die schrecklichen Gerüchte, die man über die Königin hört.

Belle

Gideon Chamberlain 13.07.2017, 12:10

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Ich schaffe es lange Zeit nicht, ihren Brief zu beantworten. Die Lage in Rosener hat sich sichtlich zugespitzt und ist jetzt scharf wie die Dolchspitze, die meinen linken Oberarm durchstoßen hat. Doch das war zum Glück auch die schwerste Verletzung, die die Garde mitgenommen hat. James musste die Garde einige Tage koordinieren und ich habe es gehasst, untätig herum zu sitzen. Gleichzeitig habe ich mich so für meine Schwäche geschämt, dass ich niemanden zu mir gelassen habe. Und so kam es mir auch nicht in den Sinn, den Brief zu beantworten. Verdammt, ich kann Belle zurzeit einfach nicht helfen. Ich kann nicht einmal mir selbst helfen. Meine Gedanken sind die ganze Zeit bei diesen verfickten Bastarden. Doch quälen will ich sie auch nicht unnötigerweise, deswegen antworte ich ihr nun, da ich meinen Dienst wieder angetreten habe.

Belle…

Ja, es ist wahr. Aber du musst dir keine Sorgen machen. Marius war zu diesem Zeitpunkt in seinem Anwesen in Kala, auf dem Weg nach Temay. Dort befindet sich unser Familienanwesen. Die Garde musste dieses Mal, den Göttern sei's gedankt, keine Verluste verkraften und auch Mina geht es gut.

Es schmerzt mich zu hören, wie es dir in Laigen ergeht. Ich würde dir vorschlagen, uns hier zu besuchen, um dort wegzukommen, Marius wird sowieso noch Wochen unterwegs sein, doch zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, ob wir alle Fädenzieher haben, was ich mehr als bezweifele. Es wäre einfach zu gefährlich.

Meine oberste Priorität muss derzeit Mina gelten, doch aus ihrem Briefverkehr mit meinem Bruder weiß ich, dass es ihm gut geht. Und solange er vom Hof fern bleibt, denke ich nicht, dass er in Gefahr ist.

Halte durch, Amelia. Wenn du ihnen Schwäche zeigst, werden sie das ausnutzen, doch bedenke auch, das Schwäche menschlich ist.

Dein getreuer Gideon

Temay… wo zur Hölle ist Temay..

Amelia steckt den Brief ein und läuft zur alten Bibliothek, die Angaben ihrer ehemaligen Angestellten zufolge einst ihrem Vater und zuvor dessen Vater und Vatersvater gehört haben soll. Sie selbst kann nicht oft hier gewesen sein. Zumindest fühlt sie sich hier drin schrecklich unbehaglich und die hohen, schweren Regale scheinen ihr die Luft abzuschnüren. Nichts desto trotz wühlt sie sich nun so lange durch die Bücher, bis sie einen Atlas mit Karten findet. Eilig legt sie ihn auf den Tisch und schlägt die Seite von Pelata auf.

Gideon Chamberlain 13.07.2017, 14:44

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Getreue Belle…

So sprich doch mit mir. Erzähl mir, was dich bedrückt. Anders kann ich dir nicht helfen. Es quält mich, deine Worte zu lesen und so untätig herum zu sitzen. Ich kann hier nicht weg, während die Gefahr um Mina noch so unberechenbar ist. Aber du kannst gehen, wohin du willst, Belle. Wenn du dort nicht bleiben willst, dann musst du das nicht. Du hast Geld, sieh dir die Welt an. Beginne als Belle zu Leben und lass Amelia hinter dir. Das wirst du nur nicht in Laigen können.

Du bist stärker als du aussiehst, das habe ich dir bereits am ersten Abend gesagt, aber du bist auch stärker, als du selbst glaubst zu sein. Vielleicht hatte es diese Amelia verdient, zu leiden, doch du nicht, Belle. Du nicht.

Also bitte lass diesen Brief nicht der Letzte sein.

An Belle sendet herzliche Grüße

Gideon

Belle weint bittere Tränen, als sie Gideons Antwort in den Händen hält. Sie lässt sich auf den Boden sinken und reisst verzweifelt die Hände hoch, vergräbt ihr Gesicht darin und schluchzt. Himmel, sie ist froh, dass nur sein Brief hier ist und nicht er selbst.

Ihm zu erzählen, was sie als Amelia alles getan hat, würde alles zerstören. Gerade jetzt, wo er der einzige ist, den sie überhaupt noch hat. Sie braucht eine ganze Weile, um sich wieder zu fassen. Alleine. Anders hätte sie es auch nicht gewollt. 

Mein mich lieb grüssender Gideon

Sagten wir nicht, dass es Zeit ist, altes hinter uns zu lassen und nach vorne zu sehen? So frage ich dich also, was würde es mir bringen, dir all die alten Geschichten aus einem Leben zu erzählen, das ich längst nicht mehr führe? Womöglich hast du recht und dieser Ort hier ist nicht der richtige für Belle. Vielleicht sollte ich die Zelte abbrechen und neu anfangen.

Ich gebe zu, ich habe mit dem Gedanken gespielt, nach Temay zu reisen, mir heimlich und in aller Stille Marius aus der Ferne anzusehen und mich persönlich davon zu überzeugen, dass es ihm gut geht. Doch ich fürchte, es würde mir nicht gelingen, diesen Ort danach wieder zu verlassen.

Wo hin frage ich dich also? Jeder Fleck auf Terra ist von nun an genauso geeignet wie jeder andere auch. Bis auf Laigen und Rosener. Wer weiss, vielleicht fahre ich nach Walz und freunde mich mit den Orks an.. Ich habe gehört, sie sollen ganz versessen auf reiche, junge Damen sein..

Ich bin nicht stark. Ich bin nur stur. Aber am Ende reicht auch dies aus, um zu überleben.

Liebreizende Grüsse

Belle. Amelia.

Gideon Chamberlain 29.07.2017, 21:18

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Gideon hatte schon nicht mehr damit gerechnet, ist jede Nacht mit einem unruhigen Gefühl eingeschlafen, wenn er es denn überhaupt konnte. Seit Jayden fort ist, noch dazu, weil er ihn darum gebeten hat, betet er jede Nacht zu den Göttern, dass es ihm gut geht, ebenso Amelia, und dass er bald zu ihm zurückkehrt.

Als Gideon den Brief öffnet, schlägt ihm, wie bei Belles Briefen üblich, ein süsser Blumenduft entgegen. 

Liebster Freund Gideon,

Ich muss zugeben, ich war zu Beginn leicht pikiert von deiner Idee, mir einen jungen Burschen zum Geschenk zu machen. Doch ich habe mich darauf eingelassen, weil eben du es warst, der ihn geschickt hat. Ich dachte mir, mein Freund Gideon wird gewiss einen guten Grund gehabt haben, jemanden direkt in Amelias Fänge laufen zu lassen..

Um es kurz zu machen, Jayden hat bereits nach wenigen Minuten ganze Arbeit geleistet. Amelias Antlitz hat nach und nach im Graben des Anwesens ihr kühles Grab gefunden. Es war befreiend, die ganzen Erinnerungen los zu werden, selbst wenn das nur unter Einwirkung von reichlich Wein möglich war. Doch je weiter Amelia gewichen ist, desto kleiner und jämmerlicher war die kleine Belle, die geblieben ist. 

Ich bin empört darüber, dass du glaubst, ich könnte mich in einen Burschen wie Jayden verlieben. Nicht, weil er nicht äusserst klug, amüsant und Entzückend wäre und dazu über einen Körperbau verfügt, der seinesgleichen sucht. Aber dein Bruder ist es, dem mein Herz gehört. Zweifelst du daran?

Dennoch habe ich dein Geschenk in jener Nacht zu würdigen gewusst. Ich kann äusserst überzeugend sein, habe es mit Wein gefügig gemacht und nach allen Regeln der Kunst verführt, weil der klägliche Rest meiner Selbst einsam war. Weil da niemand ist. Weil ich mir dank meines masslos berauschten Zustandes einreden konnte, es wäre Marius. Aber Jayden hat diese Illusion spätestens dann zunichte gemacht, als er begonnen hat, sich zu verfluchen, für das, was er eben getan hat. 

Sobald dein Geschenk in Rosener zurück ist, wird er diesem »Jemand«, der dort wohl auf ihn wartet, alles beichten. Er fürchtet, dass alles aus ist und ist nun kaum mehr zu gebrauchen. Ein Häufchen Elend ist ein Anblick der Freude dagegen. Amelia wäre das gleichgültig. Belle jedoch macht sich zugegebenermassen Gewissensbisse. Ich hoffe, du kannst mir berichten, dass dieser »Jemand« kein Mensch ist, der aufgrund eines einzigen Fehlers einen so wundervollen Menschen wie Jayden verlässt. Menschen machen Fehler. Ich habe unzählige gemacht, auch solche, die niemals wieder gut zu machen sind. Aber auch ich hoffe darauf, dass Marius erkennt, dass ich jetzt eine andere bin. Und ich glaube, Jayden ist es nun auch. 

Manchmal dauert es eben ein wenig, bis man erkennt, was wirklich zählt im Leben. Wofür es sich lohnt, zu kämpfen, alte Gewohnheiten abzulegen und sich zu verändern. Das ist alles andere als leicht. Aber hat nicht jeder eine zweite Chance verdient? Ich glaube nun fest daran. Und so werde ich nicht länger zögern und mich auf den Weg zu Marius machen. 

Ich danke dir für alles. 

Belle. Amelia.

Gideon Chamberlain 29.07.2017, 22:44

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Gideon kann nicht glauben, was er da liest. Bereits nach wenigen Sätzen würde er den Brief am liebsten zerreiße oder gar verbrennen. Er setzt an, doch seine Vernunft bringt ihn selbst in so einer Situation, wenn er am liebsten um sich schlagen würde, den Brief weiter zu lesen. Und wenn seine Wut auch kaum abkocht, lassen ihn die restlichen Sätze zumindest noch etwas genauer über das Geschehene nachdenken. Und verhindern auch, dass er sein Zimmer vor Verzweiflung klein schlägt. Er hätte Jayden nie zu ihr schicken sollen, auch wenn er weiß, dass sieihn vermutlich in diesen Tagen mehr braucht als er. Doch jetzt hat er das Gefühl, von ihnen beiden betrogen wurden zu sein. Er hat Jayden in den letzten Wochen kennen gelernt, hat erfahren, was er für ein Mensch ist, und er hatte nie erwartet, dass er sich von einem Tag auf den anderen für ihn ändert. Und doch schmerzen Belles Worte. Bei allem Alkohol der Welt, er wusste, wie wichtig Belle ihm ist. Und wie wichtig ihm Treue ist.

Gideon wirft das Schreiben zur Seite, geht zu seinem Bett hinüber und lässt sich darauf fallen. Seine Gedanken kreisen, führen ihn dabei nirgendwo hin. Genau den Menschen, den Belle beschreibt, sieht auch Gideon in Jayden. Und verdammt, er hat Gefühle für ihn entwickelt, die er nicht einfach ausschalten kann. Nicht einfach vergessen kann. Und das macht ihm verdammt noch mal Schiss.

Morikles 1.0 Fabian Müller, 2005—2017.
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