Kaiserreich
Drachenstein

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Lorenzos Taverne

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Lorenzo da Reba 01.12.2016, 12:55

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Niemals sollte man den Zorn eines Gottes unterschätzen, merkt euch dies.

spricht er schliesslich mit erhobenem Zeigefinger weiter und mustert seine Zuhörenden genau. 

Nigangana regte sich fürchterlich auf. Sie fühlte sich verraten, nicht nur von ihrem eigenen Bruder, sondern auch von den Geschöpfen, die sie selbst erschaffen hatte. Sie hat ihnen das Leben geschenkt und dennoch wollen sie sich gegen sie stellen? Fünf lange Tage und Nächte zeigte sich die Wächterin der Erde nicht mehr und blieb verschwunden. Erst am sechsten Tag trat sie vor die Dryaden, wunderschön wie immer, doch mit kühlem, eisigen Blick, wie man ihn bei ihr noch niemals zuvor gesehen hat.

»Euer Wunsch ist es, Euch von mir los zu lösen? Nun, so sei es. Ihr seid nicht länger meine Kreaturen. Von nun an werde ich euch nicht mehr beschützen und das Tor zur Unterwelt und zum Himmel ist für euch gebannt.«
sprach Nigangana hart aber ehrlich, wendete sich mit einem letzten, schmerzvollen Blick von ihren Geschöpfen ab und kehrte auch nicht wieder zu ihnen zurück.

Die Stille im Schankraum könnte man fast mit dem Messer schneiden. Alle warten gespannt, wie die Dryaden reagieren werden, doch Lorenzo greift erst zu seinem Bier und nimmt einen grosszügigen Schluck.

Noch nie hat Gondric eine so stille Taverne erlebt, und das im Hafenviertel einer so belebten Stadt. Aber es brannte Licht und gelegentlich hörte man ein paar Menschen, Kinder, auflachen. Das interessierte ihn, also trat er ein.
Wie üblich in den hiesigen Tavernen musste er acht geben, sich nicht den Kopf zu stossen. Er setzte sich auf einen Hocker an der Theke, bestellte so still wie möglich, um die Zuhörer und vor allem den Erzähler nicht zu stören, einen Krug Starkbier. Er achtete nicht darauf, wer vielleicht sonst noch in der Taverne eingekehrt war, holte einen Stift und sein Buch hervor und begann sich Notizen zu machen.

Lorenzo da Reba 18.01.2017, 11:02

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Während Lorenzos Frau hinter dem Ausschank ein frisches Starkbier für den ihr fremden Herren zapft und es leise vor ihn auf den dunklen Holztresen stellt, fährt Lorenzo fröhlich fort.

Die Dryaden sind bis zum heutigen Tage frei. Doch ihre Schöpferin haben sie dennoch niemals vergessen. Und so feiern sie noch immer jedes Jahr, genau acht Tage nach der Mitte des Jahres, ein Fest zu Ehren Niganganas. Das Fest der Loslösung.

Sein Blick schweift über die versammelte Menge und mustert seine Zuhörer, während sich um seine Augen herum unzählige kleine Lachfältchen bilden.

Und wer von euch an jenem Tag noch niemals mitten im Wald gestanden hat, die Augen geschlossen, die Ohren gespitzt, hat ein wahrlich göttliches Wunder verpasst.

»Ich habe sie gehört!« »Ich auch!« Die Kinder zu Lorenzos Füssen verfallen in lautstarke Diskussionen und der Alte nutzt die Zeit, um lächelnd an seinem Bierkrug zu nippen.

Mehr, mehr! Ich will doch wissen, wie es weitergeht!

Lorenzo da Reba 11.09.2018, 14:12

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Wir alle wissen..

beginnt der alte, bärtige Mann erneut und hat sofort wieder die Aufmerksamkeit aller Zuschauer im Schankraum. 

.. dass das nicht das letzte Kapitel in der Geschichte der Dryaden war. Denn wie unter Menschen, Elben, Vampiren und allen anderen Völkern, gibt es auch unter den Göttern Eifersucht, Neid und Streitigkeiten. Natürlich hat auch Semione, die Hüterin des Feuers, die Geschichte der Dryaden verfolgt. Und mit jedem Tag, den sie damit verbrachte, die Schöpfungen ihrer Schwester zu bewundern, wurde ihre eigene Begierde grösser. Auch sie wollte ihre eigenen Geschöpfe haben, über die sie gebieten konnte.

»Konnte sie das denn? Welches sind die Wesen von Semione?«

will ein kleiner Junge mit strohblondem Haar wissen. Lorenzo schüttelt lächelnd den Kopf.

Oh nein, sie scheiterte furchtbar. Immer und immer wieder. Und aus Frust beschloss sie in einer regnerischen Nacht, ihrer Schwester Nigangana die Dryaden zu stehlen und sie zum Zeichen ihres Missfallens im Feuer zu zerstören.

»Aber das konnte sie nicht, oder? Es gibt doch noch Dryaden!«

Daylight 11.09.2018, 19:37

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Die Frage ist nur, wie lange noch.

flüstert Daylight vor sich hin, die die Erzählungen des Alten eher missmutig verfolgt und sich viel mehr auf ihre warme Mahlzeit konzentriert, die sie sich nach den vielen Tagen im Wald auf der Suche nach einer ganz bestimmten Dryade verbracht hat. Doch nun war dieser Auftrag ausgefüllt und sie würde bald weiter ziehen. Dich diese Mahlzeit gönnte sie sich noch.

Lorenzo da Reba 12.09.2018, 07:23

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Natürlich gibt es sie noch.

antwortet Lorenzo lächelnd und lehnt sich auf seinem Stuhl zurück. 

Semione beschwor ihr Feuer herauf, es wuchs höher und höher in den Himmel und machte die Nacht zum Tag. So konnte sie die Dryaden sehen und machte Jagd auf sie. Doch die hübschen Waldgeschöpfe waren wehrhafter und geschickter, als sie dachte. Gut die Hälfte von ihnen entkam.
Die andere Hälfte jedoch..

Der Alte senkt verschwörerisch die Stimme, lehnt sich wieder nach vorne und sieht den faszinierten Kindern vor ihm nun direkt in die Augen. 

.. starb ebenfalls nicht in Semiones Feuer. Sie schrien um ihr Leben, während die Flammen an ihnen empor züngelten, sich über ihre Körper legten, wie eine zweite, lebendige Haut, fanden aber nicht den Tod. Ihre Antlitz verfärbte sich rot wie die Flammen, in welchen sie neu geboren wurden. Das war nicht, was Semione erreichen wollte. Aber sie stellte mit Freuden fest, das die neuen Dryaden nun Freunde der Asche und des Feuers waren und ihre ehemalige Schöpferin Nigangana verfluchten.

»Dämonen« murmelt einer der Gäste am Tresen und bestellt mit einem Fingerzeig ein weiteres Starkbier.

Daylight 12.09.2018, 11:18

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Dämonen mit dem nötigen Kleingeld, denkt Daylight schmunzelnd und isst unbekümmert weiter.

Lorenzo da Reba 12.09.2018, 11:48

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Mittlerweile haben sich so einige Kinderaugen zu Lorenzos Füssen angstvoll geweitet. Er schenkt ihnen ein unbekümmertes Lächeln, immerhin will er hier niemanden verängstigen. 

Und so kam auch Semione zu ihren, mit ihrem Element verbundenen Wesen. Sie mag sie nicht selbst erschaffen haben, wohl aber erkannte sie die Waffe, die sie nun mehr aus Zufall gegen ihre Schwester in der Hand hatte. Noch in der selben Nacht liess sie ihre gewandelten Dryaden einen Eid auf absolute und uneingeschränkte Loyalität schwören und nannte sie fortan Dämonen.

Einige »Ooooh«s und »Aahh«s sind zu hören, hauptsächlich aus den offen stehenden Mündern der Kleinsten. 

In jener Nacht feiern diese Wesen seither in wilden Räuschen das Fest der Bindung. Es ist sozusagen das Gegenteil zum Fest der Loslösung, welches man von den Dryaden kennt.

Car Thûlor 12.09.2018, 12:12

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Im Hintergrund der Tavere sitzt Car Thûlor auf einem Stuhl und mit dem Rücken an die Wand gelehnt, wie immer verborgen in seinem Mantel. Er hatte von diesem Ort hier gehört und ihm wurde empfohlen sich bei Vollmond die Geschichten Lorenzos anzuhören. Deshalb saß er jetzt hier und lauschte. Er kannte die Geschichte in etwa aus den alten Sagen, aber wie Lorenzo es schilderte, besonders mit der Interaktion mit dem Publikum gefiel ihm sehr gut. Und er bereute es keine Sekunde hier zu sein. Er lächelte im Halbdunkel und lauschte weiter.

Gefällt mir wirklich sehr gut

Lorenzo da Reba 12.09.2018, 12:53

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Oh, dankeschön. )">

Daylight 12.09.2018, 13:56

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Daylight genießt ihr letztes Stück Fleisch, leert ihren Krug und erhebt sich, während sie ein paar Münzen fallen lässt. Als sie sich bereits den Gästezimmern zuwenden will, fällt ihr Blick auf einen Ork, der ihr vertraut vorkommt. Als hätte sie ihn schon einmal gesehen. Sie mustert ihn aus dem Augenwinkel, während sie weiter geht, bis schließlich die passende Erinnerung in ihr aufsteigt. Schnell wendet sie den Blick wieder ab und steigt die Treppe hinauf.

Car Thûlor 12.09.2018, 14:19

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Während er gerade einen Schluck aus seinem Krug nahm und weiter zuhörte, fiel ihm auf wie sich jemand erhebte und in Richtung Treppe aufmachte. Eine komplett in weiß gekleidete Person mit einem braunen Gürtel um die Taille. Er ließ sich nichts anmerken, als er sie mit den Blicken verfolgte. Es war die Elbin, die er vor Minashs Schmiede damals getroffen hatte. Daran bestand kein Zweifel. Er erkannte die eleganten und schnellen Bewegungen der Elbin wieder und glaubte, dass nur wenige sich so galant bewegen konnten. Trotzdem blieb er sitzen und hörte weiter zu. Er war gespannt wie Lorenzo die Geschichte weitererzählen würde.

Lorenzo da Reba 12.09.2018, 14:27

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Ich kann die Furcht sehen, die nun hier und da in euren Augen erwacht.

Lorenzo streicht sich lächelnd über den Bart und betrachtet seine lieben Gäste und Zuhörer neugierig. Dann lacht er vergnügt auf.

Und zu Beginn konnte man sich wirklich fürchten, vor diesen Dämonen. Semione schickte sie los und forderte von ihnen die Zerstörung aller Dryaden. Sie sollten erfüllen, wozu sie selbst nicht fähig war. Ihre Geschöpfe verteilten sich in den Wäldern Terras und fielen immer wieder über ihre ehemaligen Artgenossen her. Diese Schlacht forderte auf beiden Seiten so viele Opfer, dass selbst Nigangana nicht mehr länger zusehen konnte.

Er seufzt und faltet die Hände vor seinem runden Bauch.

Nur Baltil alleine gelang es am Ende, Semione in die Schranken zu weisen. Längst haben die Winde ihm erzählt, welch düstere Machenschaften auf seiner geliebten Terra vor sich gehen. Er war natürlich genauso erschüttert wie wir alle, als er hörte, was seine Schwestern getan hatten. Sein Werk sollte ein Ort der Freude sein. Des Friedens. Und doch wurde innerhalb so kurzer Zeit so unglaublich viel Blut vergossen.
Zornig tauchte er bei Semione auf und nahm ihr den Schwur ab, ihre Dämonen fortan zu zügeln, ihnen einen Lebenssinn zu geben, und sie zu guten Geschöpfen zu machen.

»Sind sie das denn? Ich dachte, Dämonen sind böse!«

fragt eine junge Frau, die ganz hinten am Fenster sitzt. Lorenzo lächelt wissend.

Zwischen »gut« und »böse« liegt manchmal ein schmaler Grat, nicht wahr? Nun.. die Dämonen werden niemals wieder zu reinen Lichtwesen werden. Zumindest nicht alle von ihnen. Aber immer wieder höre ich Erzählungen, die sogar von der einen oder anderen guten Tat eines Dämons berichten.
Ihr seht also.. Ganz gleichgültig, welche Lasten man auch mit sich herum trägt.. und welche Fehler man gemacht hat.. Es gibt immer Hoffnung. Und alles kann sich jederzeit zum Guten wenden.

Daylight 12.09.2018, 16:32

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Daylight findet das ihr zugewiesene Zimmer und schließt die Tür, wenn sie sie auch nicht abschließt. Auf diese Vorsichtsmaßnahme verzichtet sie bereits seit Jahren. Niemand wäre so dumm, sich in ihr Zimmer schleichen zu wollen.

Car Thûlor 12.09.2018, 18:08

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Was wäre denn, wenn es doch jemand täte?

Lorenzo da Reba 12.09.2018, 18:45

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Dann werfe ich euch in Baltils Namen aus der Taverne ihr Unruhestifter!  (Und ja, es wäre mir eine Ehre. )

Glaubst du wirklich, ich würde dieses Detail aufgreifen, wenn ich nicht gewillt wäre, dieses »niemals« umzuschreiben?

Car Thûlor 13.09.2018, 08:22

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Soso ^^ ich komme eventuell drauf zurück, wenn mir was einfällt ;-)
Aber erst möchte ich die Geschichte weiter hören

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