Kaiserreich
Drachenstein

Zur Navigation

[Cisum] Augenblick des Lichts

864 Aufrufe, 22 Beiträge.

Kyra 21.12.2014, 17:14

1 zitieren melden

Immer einen Schritt nach dem anderen. Ganz einfach… nur nicht stolpern… hier ist ein Stein… sehr gut. Weiter gehts.

Schritt für Schritt kämpft sich Kyra den unbekannten Weg entlang. Mit dem Wanderstock schubst sie den Stein einfach aus dem Weg. Noch nie hat sie sich so weit von der Akademie fort bewegt, und das auch noch in ein Gebiet indem sie vor ihrer Erblindung auch noch nie gewesen war. Seit sie von diesem schrecklichem Alb Augenlicht und ihre Zunge verloren hatte, war ihr Leben immer in unwiederrufliche Dunkelheit gehüllt gewesen. Die Maguschakademie hatte sie freundlich aufgenommen, das stimmte zwar, und sie hatte auch Freunde dort gefunden mit denen sie sich mit ihrer Schreibtafel verständlich machen konnte, doch sie fühlte sich immer wie eine Außenseiterin. Die herrliche Maguschakademie mit all ihren Wundern, sie konnte sie nie wirklich erleben, niemals sehen, sondern nur erhorchen und erfühlen. Trotzdem konnte sie von sich nicht behaupten hilflos zu sein. Inzwischen kannte sie das Gebäude besser als jeder der Schüler und auch besser als viele Lehrer dort. Es überraschte sie selbst wie sehr ihr Gedächtnis jedes einzige Detail sich einprägte, jeden Gang, jedes Zimmer, Regal, jeden hervorstehenden Stolperstein und anderes. Mit etwas Glück konnte sie nur durch das gleiten ihrer Hand über den Mauerstein erkennen in welchem Bereich der Akademie sie sich aufhielt. Und sie brauchte des Nachts keine Kerzen oder andere lästigen Leuchtmittel, womit sie bei Nachtdiensten alles mit zwei Händen erledigen konnte. Seit einiger Zeit vollführte sie sogar Botendienste außerhalb der Akademie. Einfache Einkäufe bei Händlern deren Weg sie sich gemerkt hatte. Ihre feine Nase und ihr Tastsinn reichten aus um gute und schlechte Lebensmittel zu erkennen.

Ihr heutiger Ausflug jedoch hatte einen anderen Grund. Eigentlich sollte sie etwas Gemüse einkaufen, doch sie nahm mit voller Absicht die falsche Fährte um nach Cisum zu kommen. Den Ort andem die Stimme sie geordert hatte. Die Stimme, ihr ständiger Begleiter und Gesprächpartner welcher seit den grauenhaften Erlebnissen in ihr steckte und mit dem als einziges eine Konversation möglich auf gleicher Ebene möglich ist. Sie wusste weder woher sie kam, noch was sie war. Sie konnte genausogut ein Ausdruck ihres Wahnsinns sein. Nun, zumindest würde sie es wohl gleich erfahren. Die Stimme hat sie genau angewiesen wohin sie sich wenden solle, so als würde sie sie die ganze Zeit beobachten.

Folge dem Weg weiter, es ist nicht mehr weit…
Ich werde jetzt auch kaum umdrehen…
Sicher nicht. Hast du dir schon überlegt was du der Akademie sagen willst warum du keine Zwiebeln und Möhren bringst?
Natürlich hatte sie das. Und da die Stimme in ihrem Kopf saß wusste sie auch schon die Antwort. Das machte sie öfters. Einfach um sie zu ärngern. Die Stimme konnte richtig gemein sein, und das war sie oft. Aber zum schweigen bringen konnte sie sie ja nicht.
Kyra schnaupte kurz, das konnte sie ja noch, bevor sie ihre Antwort dachte.

Ich werde einfach sagen dass ich mich vertan habe und in die falsche Fähre stieg. Sie werden es dem armen blindem Mädchen schon nachsehen. Das tun sie doch immer.
Kaum hatte sie es zuende gedacht bereute sie ihre harschen Worte. Sie wollte die anderen nicht anlügen, aber sie wollte ihnen auch nichts von der Stimme erzählen. Sie würden sie für verrückt halten und ihr restliches Dasein in einem Kämmerlein fristen. So war es einfach besser. Sie schadete ja niemanden…
Die Luft wurde irgendwie seltsam… Kyra musste husten. Es roch ähnlich wie in einem der Alchemielaboren. Schwefel, Asche, aber noch andere würzige Gerüche vermischen sich zu einem unsagbar wolkenartigem Gemisch der in ihrer Nase brannte.

Das ist aber nicht sehr nett. Dein Geruchssinn ist im übrigem äußert empfindsam geworden.
Es hat doch nichts damit zu tun wenn es hier sti…
Kyra erschrak kurz und verlor fast das Gleichgewicht. Die Stimme… sie hatte sie GEHÖRT. Und zwar mit ihren Ohren, nicht in ihrem Kopf. Trotzdem ist es die gleiche Stimme.

Ich bin nicht verrückt!
Nein, nein das bist du nicht kleine Kyra. So sehen wir uns endlich… zumindest seh ich dich.
Die Stimme lachte. Aber das war Kyra vorerst egal. An den Spott hat sie sich gewöhnt.

Wer bist du? Warum kannst du mit in meinem Kopf sprechen? Was willst du von mir?
Wirklich die selben Fragen? Die selben Fragen wie die als wir uns kennengelernt haben? Enttäuschend. Wenn ich sie damals schon nicht beantwortet habe, warum glaubst du sollte ich sie jetzt beantworten?
Kyra war gekommen um Antworten zu bekommen, nur dewegen.

Nur deswegen? Dann will ich nicht so sein. Wer ich bin ist für dich nicht wichtig. Ich kenne dein Innerstes. Du kennst mich nicht und hast auch noch nie von mir gehört. Zu schade. Dabei bin ich recht bekannt. Aber dann könnte dir mein Name auch nicht weiterhelfen. Es ist ja nicht so als ob du die Auswahl hättest und mich ansprechen müsstest.
Spöttisches Lachen. Kyra schnaupte nur verächtlich. Das ging schon einmal großartig los.

Ich kann in deinem Kopf sprechen weil du mein Zeichen trägst.
Jetzt musste sie aufhorchen. Sein Zeichen?

Mein Zeichen. Ich vergebe es an meine Getreuen, damit sie mit mir sprechen können und ich an sie. Der Alb hat es auf deine Haut geritzt, zusammen mit etwa ein hundert anderer Verschnörkelungen welche sie überlappen, dadurch wurde es nicht von den Maguschen entdeckt. Niemand hat ihn darum gebeten… vielleicht fand er es ästhetisch. Merkwürdiges Volk.
Eine merkwürdige Stimmung kam in Kyra auf. Noch heute spürte sie die tausend Schnitte des Messers die ihre Haut anritzten und kaum ernsthafte Blutsprugen hinterließen. Sein Zeichen… ein magisches Zeichen! Aber… mit wem war sie da bekannt? Was wollte er von ihr?
Kyra wurde allmählich wütend. Sie hatte weder erblinden, noch ihre Sprache verlieren wollen und schon gar nicht mit diesem Wesen verbunden sein.

Ich? Ist es nicht eher so, dass du etwas von mir willst?
Natürlich, eigentlich war sie ja gekommen weil er ihr etwas versprochen hat. Das was sie am meisten vermisst. Wieder zu sehen, zu sprechen, nicht mehr durch Augenlöcher und Schnitte entstellt zu sein. Ein Leben, ein normales Leben. Unbewusst fährt sie sich über ihre Augenbinde.

Ich will sehen… ich will wieder sehen können! Und sprechen! Und, und… und meine Haut soll wieder unversehrt werden. Keine Schmerzen mehr, keine Stimmen mehr in meinem Kopf!
Sehr viele Wünsche, die du da hast. Aber alles zu seiner Zeit, alles zu seiner Zeit. Was bist du den bereit dafür mir zu geben? Was bist du bereit dafür zu tun?
Kyra zögert. Auch wenn sie sich nichts sehnlicher wünschte als ihr altes Leben wieder zu haben, wer weiß was diesen Wesen von ihr verlangt. Solche Geschichten verliefen nie gut aus für diejenigen, das wusste sie noch aus ihrer Kindheit.
Und da durchbricht etwas die Finsternis die all die Jahre ihre Welt war. Sie sieht Licht. Gleißendes Licht und satte Farben. Grün… Grüne Bäume, Wiese, einen Trampelpfad der durch ein Waldstück führte, nahe an einem Gebirge vorbei. Sie erblickt ein Stück Himmel. Wolken! Noch nie wurde ihr bewusst wie schön Wolken sein konnten. Und sie sieht ein Mädchen auf dem Weg stehen. Ein Mädchen in einem einfachen Leinenkleid mit einem Wanderstab und einer Schiefertafel am Gürtel. Und sie trägt eine Augenbinde aus Leinen welche zum Teil von ihren lang gewordenen Haaren verdeckt werden. Vorsichtig streicht Kyra sich über ihre Binde und erblickt wie das Mädchen exakt die selbe Bewegung vollführt. Für Kyra mutet es merkwürdig an sich selbst zu beobachten. Doch andererseits hatte sie sich noch nie selbst gesehen seit dem Ereignis damals.

Alles… ich will alles tun was du willst.

Das merkwürdige Paarungsverhalten geschlechtsreifer Drachen zur…

Kyra 10.05.2015, 16:50

7 zitieren melden

Freut mich dass es gefällt ^^

Sanraal 11.05.2015, 14:24

8 zitieren melden

Bin auch mal gespannt.

@Kyra: Hat da jemand die »Königsmörder Chronik« gelesen?

Kyra 11.05.2015, 17:17

10 zitieren melden

Nein hab ich nicht… Warum?

Sanraal 11.05.2015, 21:54

12 zitieren melden

Au Scharknado…das tut aber weh ! Falls es einer nicht kennen sollte. Der Weisse Hai, Twister und die üblichen Teenie Survival Streifen der 80er ins Jahr 2013 portiert. Wenn jemand noch grösseren Trash sucht, empfehle ich Killertomaten oder Plan 9 from Outerspace

Kyra 11.05.2015, 23:03

13 zitieren melden

Hehe, meint ich ja. Albertikus Geschichte wäre ein geeignetes Drehbuch für die nächste Produktion.
Du solltest mal »Mega Piranha« sehen. Piranhas die sich innerhalb von Minuten immer weiter vergrößern bis sie von Venezuela nach Florida springen und ganze Leuchttürme fressen, während der Held einen Helikopter steuert und dabei aussieht als hätte er Verstopfung. Ach Trash kann man sich mal zu zweit oder in einer Gruppe anschauen zum absurd lachen. Plan 9 sollte ich mir mal ansehen…

Achja, Tremors Im Land der Raketenwürmer kann ich auch dazu nennen. ^^

Nein hab ich nicht… Warum?

Wegen dem: Das merkwürdige Paarungsverhalten geschlechtsreifer Drachen zur…
Der Chronist, der Kvothes Geschichte aufschreibt hat ein Buch über genau dieses Thema verfasst. Also, IN dem Buch bzw. der Welt des Buches. Kvothe ist der Protagonist der Königsmörder Trilogie.

Lyrael Caron 12.05.2015, 09:46

15 zitieren melden

Hab letztens den Trailer zum absurdesten Film gesehen, der mir je begegnet ist. Zombiber.

Also mir gefällt's. Auch wenn das jetzt kein sehr hilfreiches Urteil ist. WEITER!

Kyra 16.05.2015, 01:17

17 zitieren melden

Nein. Mit fester Stimme macht Kyra ihren Unmut luft. Dass sie dies hierbei beim Abendessen tut und keiner der anderen Dienstmägde etwas mitbekommt, stört es auch niemanden.

»Hör mir doch bitte zu, meine Kleine…«


Ich bin nicht deine Kleine! Und du hast mich angelogen! Was wollte ich? Irgendein komisches Ding welches unter der Stadt zu finden ist jedenfalls nicht. Ich wollte wieder sehen können! Und sprechen! Und nicht irgendwelche Mythen und Firlefanz und sowas.

»Du weißt nicht was du da sagst. Andere wären froh, ja sie würden sterben um die Macht zu bekommen die ich dir anbiete.«


Dann gib sie DENEN doch. Ich will keine Magie. Ich will kein Artefakt oder Kraft oder was weiß ich. Ich will leben. Mein Leben! Ich will die Sonne am Morgen sehen, den Bäckerjungen wenn seine Wangen voll Mehl sind weil er wieder einmal nicht daran gedacht hat seine Hände ab zu wischen. Ich möchte mit den anderen Mädels scherzen und lachen und auf dem Markt flanieren, die verschiedenen Waren anschauen und in einen Apfel beißen um ihn zu schmecken um dann mit dem Händler um den Preis zu feilschen.

»Nun… das klingt mehr als langweilig.«


Das ist mir egal wie es für DICH klingt! Mein Leben war wunderbar bevor mir das passiert ist und DU da warst. Weißt du wonach Äpfel schmecken ohne Zunge? Oder Getreidebrei? Oder Schwein? Nach gar nichts. Ich weiß es nur noch aus meiner Erinnerung. Ich bin allein, in einem dunklen Raum. Ich höre was draußen geschieht, aber ich kann nicht einmal schreien. Ich bin allein…

»Kyra… du bist nicht allein…«


Sei still… du zählst nicht. Du bist meine Fantasie, oder mein Wahnsinn. Vielleicht auch eine Götterstrafe für was weiß ich. Heutzutage wird man ja von den Göttern für alles mögliche gesegnet und bestraft. Da wäre ich lieber dieses Mädchen welches jeden bei Berührung tötet. Sie kann zumindest reden und sehen und braucht nur ein paar Topflappen. Kyra verfällt in inneres Schluchzen und steht vom Tisch auf um schnellstens in die Kammer zu laufen. Die neugierigen und verständnislosen Blicke der anderen kann sie auf sich spüren.

»Ich meinte zur Abwechslung nicht mich. Du hast Freunde gefunden. Auch wenn sie meiner Meinung nach überschätzt werden. Ich weiß, die Götter sind nicht gerecht. Gerecht ist nichts auf dieser Welt. Warum sollen es dann die Götter sein? Und auch wenn du mich hasst, möchte ich dir helfen…«


Sie bleibt stehen und lehnt sich gegen eine Wand. Warum hilfst du mir dann nicht? Ich möchte eine Zunge und Augen, nicht irgendeinen magischen Schatz.

»Du musst verstehen, dass dies nicht so einfach ist. Wenn du einfach nur blind wärst oder stumm, oder geblendet, selbst wenn deine Augäpfel und deine Zunge tot in dir lägen…«


Mir wird schlecht…

»…dann gäbe es Mittel und Wege sie zu heilen. Aber sie sind weg. Zerstört. Neue wachsen zu lassen, ja, das ist schwierige Magie. Ich kann dir nur helfen dir selbst zu helfen. Unter der Stadt Pretannica, dort liegt etwas Mächtiges. Es verleiht dir nicht nur Macht sondern auch das Wissen sie zu nutzen. Du musst dir vorstellen, dass du förmlich mit dieser Macht verschmilzt und sie wird ein Teil von dir. So wie dir jetzt etwas fehlt, bekommst du dann etwas zurück.«

Das hörte sich gar nicht mehr so schlecht an. Sie hat ein Teil ihres Lebens verloren, und bekommt einen neuen Teil hinzu. Es wird nie wieder so wie früher, nicht wahr?

»Nein Kyra. Es wird nie wieder so wie früher.«


Wird es wenigstens besser?

»Das kommt darauf an was du daraus machst.«


Morikles 1.0 Fabian Müller, 2005—2017.
Hilfe, Nutzungsbedingungen, Impressum.