Kaiserreich
Drachenstein

Zur Navigation

Die Kutsche

2.100 Aufrufe, 19 Beiträge.

Rhogan 12.11.2008, 14:40

1 zitieren melden

In gleichmäßiger Geschwindigkeit fährt die Kutsche mit den gepanzerten Reitern über den Waldweg. Durch die kalte Luft kann man den langsamen Atem der Reiter erkennen und das leise Klimpern von Eisen an Eisen erfüllt die Luft mit weiteren Geräuschen der sonst so stillen und wortkargen Reise. Einer der Reiter sieht müde nach vorne und entdeckt mitten auf den Weg eine Gestalt stehen. Sie stand dort, als wäre sie schon immer dort gestanden. Regungslos. Der Reiter beobachtet die Gestalt während er und der ganze Tross sich nähern. So näher sie der Gestalt kommen, um so mehr kann der Reiter erkennen. War er sich vorher nicht sicher, ob es ein schlankerer Mann sein würde, so sah er nun eindeutig, dass es sich um ein Ork-Weib handelt. Ihre Kleidung aus eingefärbten Körper bedecke mehr oder weniger großzügig ihren Körper, aber betonte doch eindeutig die weiblichen Reize der Orkin. An den Seiten ihres Gürtels pendeln durch Lederschlaufen befestigt zwei kurze, geschwungene Schwerter und in ihrer rechten Hand hält sie einen großen Speer mit einer mächtigen Spitze, welche mit Federn geschmückt ist die mit Lederschleifen an der Spitze befestigt sind. Breitbeinig und stolz stand sie mitten auf dem Weg und sah die Reiter mit gefletschten Zähnen an. Ihre ganze Gestalt ließ entweder großen Hochmut oder großes Selbstvertrauen erahnen.

Karra hatte dem Stammeshäuptling versprechen müssen, diesen Menschen eine Chance zu geben sich unehrenvoll zu ergeben. Ein Ork würde sich niemals ergeben und der bloße Gedanke daran ließ die Kriegerin das Gesicht verziehen. Doch Menschen waren da ja anders. Wenn ihre Angst über sie kam, so würden sie die Waffen nieder legen. Und dann müsste Karra sie leben lassen… Sie betete zu Shandra, dass es nicht so kommen werde. Aber sie hatte es den Stammeshäuptling versprochen. Immerhin war dies der erste bewaffnete Konflikt, wo die Orks bewusst den Kampf suchten, seit sie sich hier nieder gelassen hatten. Mit dem Speer ging sie normalerweise zur Jagd, während sie mit ihren Schwertern in den Krieg zog. Nun, wenn die Göttin mit ihr war, so wird dies hier mehr eine Jagd als ein Gefecht.
Im gebrochenen Drakisch begann sie zu sprechen, oder besser gesagt, zu fordern:

»Waffen … auf Boden!«

Die begleitenden Reiter verbleiben regungslos. Langsam öffnet sich die Kutschentür und ein alter, weißhaariger, hagerer und etwas verunzelter, ehemals aber sicher stattlicher Mann, gekleidet in eine rote Reiserobe, spitze Schuhe, wie man sie schon seit gewiss dreißig Jahren selbst in den entlegensten Ecken des Reiches nicht mehr trägt und einen etwas ramponierten, aber sicherlich nicht billigen Dreispitz mit Zierfeder klettert mühevoll und etwas würdelos aus der Kutsche heraus. Er wendet sich mit einer sonoren, in einer merkwürdigen Art von Zeit zu Zeit ins Fisteln verfallenden Stimme, die an einen Berauschten erinnert, an einen Reiter.

»Femras, warum sind wir stehen geblieben?«

Er kratzt sich kurz am Hals, als er die Orkin vor ihnen stehen sieht. Er nimmt etwas gebrechlich seinen Hut ab und schwenkt ihn zum Gruß, während er schwerfällig eine Verbeugung andeutet.

»Küss die Hand, gnä' Fräulein, womit kann ich behilflich sein?«

Rhogan 13.11.2008, 00:15

3 zitieren melden

»Waffen… auf Boden!«

Die Orkin wiederholt mit fester Stimme ihre Forderung und gibt dieser mit einem aufstampfen ihres Speers weiteren Nachdruck. Offenbar versteht sie nicht viel von der Drakischen Sprache oder will sich auf keine Diskussionen einlassen. Vielleicht sogar beides. Um ihre Forderung zu unterstreichen fletscht sie noch etwas mehr die Zähne.

Karra war kurz irritiert von dem alten Mann. Dann musste sie innerlich lächeln. So viel Aufwand nur für diesen alten Tattergreis. Er sah nicht nach einem Krieger aus. Wahrscheinlich war es irgend ein Höfling der hier unterwegs war. Dieser würde wohl keine Probleme im Kampf machen. Und später konnte man bestimmt raus finden wer er ist. Nun galt es erstmal den Kampf zu suchen.

Der Alte lächelt irritiert.

»Verzeiht, ich sehe keine Waffen auf dem Boden – doch sollte ich einer begegnen, werde ich Euch natürlich davon berichten. Wie wäre es nun mit einem kleinen Umtrunk? Ich habe sowieso schon lange keine Rast mehr gemacht und Ihr seht ebenfalls etwas müde aus – es muss an dieser ungünstigen Witterung liegen, scheußlich, dieses Wetter, schon seit mehreren Tagen. Bei diesem niedrigen Luftdruck bekomme ich immer Kopfschmerzen und seit einigen Tagen bin ich auch noch verschnupft. Meine Großtante Elrevis hat immer Tevanwurzeltee bei Schnupfen empfohlen, aber bislang habe ich noch keinen Tevan gefunden und außerdem ist es auf Reisen mit dem Teetrinken immer so eine Sache, aber das kennt Ihr ja sicherlich. Eine ganz ausgezeichnete Gegend ist das hier – seid Ihr hier aufgewachsen? Trüb und Nass, alles trüb und nass, also momentan zeigt sich dieses Land nicht von der besten Seite. Und was Sammral dazu sagt, daran möchte ich gar nicht denken, der war sowieso so griesgrämig drauf in seinem Brief. Kennt Ihr ihn? Zufällig? Sammral Weyren? Nein? Sehr schade, guter Freund, dieser Sammral, aber etwas schusselig. Letztens wollte er mir Die Dreizehn Mysterien zukommen lassen und hat mir stattdessen Emens Märchensammlung geschickt, ausgerechnet Band Dreizehn. Ach, das wollte ich ihm ja eigentlich mitbringen, schon wieder habe ich das vergessen! Furchtbar, aber das kommt mit dem Alter, das werdet Ihr auch noch leidlich in Erfahrung bringen, gnä'Fräulein. Sprach ich schon vom Wetter? Ganz scheußlich, was meint Ihr? Ich vermisse den Komfort eines ruhigen Betts, in den Tavernen immer nur zweitklassige Bänkelsänger und Saufbrüder, aber was will man machen, und einen zweiten Stock haben nur die wenigsten, sonst würde ich das schon machen, aber das Geld wächst einem ja auch nicht zwingend im Garten, und ich brauche auch noch was für die neuen Möbel, von meinem Sohn ganz zu schweigen, der alte Taugenichts, aber das kennt Ihr wohl auch. Habt Ihr Kinder? Wunderbare Geschöpfe, bis sie anfangen zu sprechen. Leidlich, leidlich. Aber darüber hinaus, was wäre ich ohne ihn, und außerdem will er bald heiraten, Irren heißt sie. Kennt Ihr? Irren Femal? Nicht? Zu schade, ist eine Elfin, deswegen war ich erst gegen die Ehe, man munkelt ja immer, aber ich wurde mittlerweile auch ihren Eltern vorgestellt, ganz anständige Leute, drüben in Vintor, ich weiß, dass das weit weg ist, aber je weiter die Entfernung zu den Schwiegereltern, desto weniger Probleme beim Aufziehen der Kinder, sage ich immer, nicht wahr? Seid Ihr verheiratet? Dass meine Frau sich noch nicht gemeldet hat, sie scheint sonst immer so besorgt, na hoffen wir, dass sie das mit der Hecke auch ohne mich hinbringt, aber eigentlich bin ich dort ganz zuverlässig. Ach, Entschuldigung, ich bin wieder ins Reden geraten, das passiert mir von Zeit zu Zeit. Ihr wolltet nochmal…ach ja, den Umtrunk. Moment, ich suche den Wein, macht es Euch ruhig gemütlich. Femras, sitz nicht so faul rum, mach mal ein Feuer an. Siehst Du nicht, was gnä' Fräulein anhat, da muss man doch frieren! Ah, jetzt fällt mir wieder ein, unter der Hinterbank war die Vintor Südlese, von den werdenden Schwiegereltern geschenkt bekommen, freundlich nicht? Gleich wieder da, küss die Hand, gnä' Fräulein…«

Genauso unbeholfen, wie er herauskam, klettert der alte Mann zurück in die Kutsche, wo man ihn gut umherräumen und umpacken hört.

Rhogan 13.11.2008, 19:58

5 zitieren melden

Minutenlang reagierte Karra nicht, als dieser Schwall von Worten über sie kam. Sie wusste einfach nicht wie sie reagieren sollte auf die Redelust des alten Mannes.Die Dinge über die der alte Mann sprach und die sie verstand erschienen ihr unnütz und sinnlos.
Plötzlich steigt die Wut in ihr hoch. Sie war eine Kriegerin. Eine Tochter von Shandra die geschworen hat, ihr Leben dem Kampf zu widmen zu Ehren der Göttin. Und dieser verkalkte alte Mensch macht sie zum Gespött! Sie konnte im Geiste die anderen Orks schon lachen hören, obwohl ein Orklachen wirklich nichts war, was man überhören konnte. Dem Alten sollte nichts geschehen, aber vielleicht wäre er dann endlich sprachlos.

Laut rief sie einen Kriegsschrei aus. Aus den Rändern des Waldes um die Kutsche wird lautes Blätter rascheln laut. Äste brechen und stampfenden Schritte nähern sich der Kutsche. Schließlich brechen die Orks brüllend aus dem Dickicht hervor. In den Händen Äxte und Schilde, greifen sie die bewaffneten Reiter an. Karra nimmt den Speer hoch und schleudert ihn ins Visier des nächsten Gegners. Dann holt sie ihre Schwerter hervor und stürzt sich in den Kampf.

Der Alte blickt etwas verwirrt aus der Kutsche hervor.

»Hat man so etwas schon erlebt? Gnä'Fräulein, ich habe gerade den Wein gefunden! Wollt Ihr ihn denn nicht mehr? Zu schade. Dann werde ich ihn wohl alleine trinken müssen.«

Mit absoluter Ruhe das Kampfgeschrei und die sirrenden Schwerter ignorierend öffnet er die Weinflasche und genehmigt sich einen großen Schluck daraus, bevor er sie wieder in die Kutsche stellt. Höchst elegant und für sein Alter gänzlich unpassend schwingt sich der Alte auf das Kutschendach. Er stößt sich ab und fliegt mit atemberaubender Geschwindigkeit in den Himmel, wo er etwa zehn Meter über dem Kampfgeschehen in der Luft schwebend verharrt. Ruhig greift er unter seinen Mantel und erfasst eine kleine Handarmbrust. Er legt einen Pfeil auf, zieht sie an. Schnell fliegt er wieder etwas näher, zischt durch die kämpfende Menge und feuert im richtigen Moment die Armbrust ab. Mit fröhlichem Gesichtsausdruck fliegt er wieder hinauf.

»Dieses war der erste Streich…doch der zweite…«

Der Alte fliegt zurück, direkt in die Kutsche und zur anderen Kutschentür, nun bewaffnet mit einem stattlichen Bastardschwert, wieder hinaus. Er nähert sich Karra und schlägt sie vom restlichen Kampf ab, um sich mit ihr zu duellieren.

»Hättet Ihr nicht ein Glas Wein für sehr viel angenehmer empfunden, Gnä'Frau? Ich bin rein gar nicht in der Stimmung zum Kampfe, dieses Wetter…aber ich glaube, das sagte ich bereits. Kopfschmerzen und so. Ihr versteht? Und, noch gut bei der Sache?«

Tänzelnd, doch gewandt und mächtig, im Imperialen Kampfstil, hielt der alte Mann Karra in Schach, mal die Oberhand haltend, mal unterliegend.

»Geht es Euch nur um das Geld oder habt Ihr auch noch so etwas wie Ehre? Ich dachte, Orks würden prinzipiell viel auf ihre Ehre geben, aber Ihr scheint davon nicht viel zu halten, sonst hättet ihr nicht eine harmlose Kutsche auf der Durchreise angegriffen – ehrlich, der Wein wäre die gemütlichere Alternative gewesen. Nunja, umso besser, wenn Ihr keine Ehre habt, ich halte davon auch nicht viel.«

Der Alte liefert eine Finte und anschließend aus der Luft, wieder über Karra schwebend, einen Kreuzschlag.

Rhogan 14.11.2008, 01:16

7 zitieren melden

Die Überraschung musste wiederum schnell weichen von Karra. Denn dieser alte Mann war ein zäherer Gegner als sie gedacht hatte. Zuvor hatte sie noch darüber nachgedacht, was sie mit ihm tun würde, nun lag der Fall klar. Er war ein Krieger. Sie schnellte ihre Schwerter hoch, kreuzte sie in der Luft und fing so den Schlag des Kriegers auf. In diesem Sekundenbruchteil sahen sich die Kontrahenten in die Gesichter und Karra lächelte. Sie hatte den Kampf gesucht und einen wahren Gegner gefunden. Sofort ging der Kampf weiter und sie beantwortete die Worte ihres Gegners im gebrochenen Drakisch.

»harmlose Kutsche? … ich denken nicht!«

Ein weiterer Schlag ließ sie von einem ihrer Schwerter abgleiten, während sie erfolglos nach ihm stach. Die unterschiedlichen Schwertlängen war hier ihr großer Nachteil. Normalerweise bestürmt eine Shandrazhar ihren Gegner, durchbricht seine Verteidigung und schneidet ihm mit den Schwertern in mundgerechte Portionen, wenn sie einen nicht aufschlitzt. Doch hier war das nicht möglich. Sie wusste nicht warum, doch der Kerl konnte fliegen und hatte damit ungeahnte Vorteile.
Sie attackierte ihren Gegner kurz stürmisch, so dass dieser sich kurz zurückzog, dann rannte sie ein paar Meter nach hinten und widmete sich wieder ihrem Gegner der wieder auf sie eindrosch. Wenn sie den Anfang der Baumreihen erreichen würde, wäre seine Bewegung in der Luft und ist dem großen Schwert beträchtlich eingeschränkt.

Karra gor Katgorrad. Shandrazhar!

Stellte sie sich ihrem Gegner noch vor.


Aus einiger Entfernung sah Grimlakh ab und an dem Kampf zu. Er hatte für dieses Gefecht einen anderen Speer mit genommen als seinen bekannten Jagdspeer. Schließlich musste er damit nun gepanzerte Reiter erlegen und keine Wildschweine. Dieser Speer war ein prächtiges Stück aus starkem Eisen. In Verbindung mit einem größeren Holzschild welches mit Eisen beschlagen wurde, konnte er sich seine Gegner auf Distanz halten, wie mit einer kurzen Lanze. Meist schmiss er sich mit dem Schild voran gegen den Gegner und ließ den Speer von oben oder von der Seite auf ihn nieder fahren. So konnte man auch gut Wildkatzen erlegen, wenn sie zu nahe ran kamen.
Noch einmal sah er sich kurz um. Das Gefecht an sich verlief ganz gut. Er sah bisher nur drei Verwundete die etwas abseits lagen. Einer von ihnen mit dem verfluchten Bolzen in der Schulter. Schließlich hatte man für diesen Kampf etwas mehr als eineinhalb mal so viele Orks mitgenommen wie Menschen hier sind. Also mehr als ausreichend. Doch hatte er auf diese Vorsicht bestanden, schließlich konnte man nie wissen.

Gerechnet hatte selbst er nicht mit diesem fliegenden Krieger. Zu gern hätte er Karra mit einigen Wurfspeeren beigestanden, die er sich auf den Rücken geschnallt hatte. Doch würde er jetzt eingreifen… er fürchtete ihren Zorn mehr als jedes Wildtier, wenn er sich in dieses Duell einmische.

»Harmlos sind wir in der Tat, Ihr verwechselt das mit wehrlos, gnä'Fräulein, doch ich stehe Euch mit dieser kleinen Korrektur gerne zur Seite. Ihr kämpft recht gut, doch etwas stillos? Habt Ihr Euch das Kämpfen selbst beigebracht? Vom Stamm der Katgorrad also seid Ihr…merkwürdig, ich dachte, dieser Stamm wäre auf Ehre sehr bedacht&hellipder wurdet Ihr vom Stamm ausgestoßen? Verzeiht, mein Orkisch ist nicht das allerbeste. «

Er schwingt sich wieder über Karra – dieser Kampf dauert schon zu lange. Still murmelt er ein paar Worte und ein silberner Faden formt sich unter ihm zu einer Spirale über Karra. Ein weiteres Wort und aus der Spirale entwachsen tausende kleine Eissplitter. Er dirigiert sie mit seiner Hand nach oben; »Chyrt« – Sie fallen hinunter auf Karra und beschleunigen auf eine unnatürliche Geschwindigkeit.

Rhogan 15.11.2008, 02:12

9 zitieren melden

In letzter Sekunde sprang Karra zur Seite rollte am Boden ab. Sofort versuchte sie wieder auf zu stehen, doch bevor sie wieder ganz aufgerichtet war, benebelten Schmerzen ihre Sinne. Sie bemerkte einige kleine verletzte Stellen an ihrem Körper, wo die Splitter sie gestreift hatten. Doch ein Schmerz trat besonders hervor. Ihr rechter Unterschenkel. Sie sah an sich herunter und sah das Ende eines großen Splitters seitlich aus dem Unterschenkel ragen. Er hatte sich tief ins Fleisch gebohrt und behinderte sie. Ihren Gegner wieder fest im Blick ging sie mühsam ein paar Schritte zurück. Das belasten ihres rechten Fußes war schmerzhaft. Im stillen bettete sie kurz zu ihrer Göttin, auf dass sie ihr für diesen Kampf die Schmerzen nehmen würde, und sie dafür später das zehnfache dafür ertragen werde. Sie spürte eine leichte Milderung.
Wenigstens hatte sie nun den Anfang des Waldes erreicht. Links neben ihr stand ein dicker, älterer Baum. Und sie wusste, dass etwa rechts hinter ihr ein weiterer stand. Diese würden ihren Gegner in seiner Beweglichkeit behindern. Leider war sie auch in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt.

Ein Speer sauste weniger als einen halben Meter an dem Gesicht des alten Mannes vorbei und krachte dann viele Meter weiter in einen Baum. Der Schaft des Speeres war unnatürlich verbogen, doch die Spitze war mehrere Zentimeter ins Holz eingedrungen.

Das war eine Warnung, fremder Krieger! Ich treffe mit einem Speer immer was ich will!
Ihr sprecht groß von Ehre! Doch eure Ehre scheint aus List und Magie zu bestehen!

In einem wesentlich besseren Drakisch hat sich Grimlakh in voller Lautstärke geäußert. In seiner Linken hält er sein verstärktes Holzschild. Vor ihm stecken vier Wurfspeere in der Erde und ein größerer Abstand zwischen ihnen zeigt, dass dort vor kurzem der von vorhin war. Rechts vom letzten der Wurfspeere steckte der größere Kriegsspeer in der Erde. Schon nahm Grimlakh den nächsten der Wurfspeere in seine Faust und verlagerte sein Körpergewicht neu. Bereit, auch dieses Mal sein Ziel zu treffen.

Karra war selbst verwundert über den barschen Ton des Orks. War er doch immer einer der Ruhigeren gewesen, die sie und andere gebremst hat. Und er war einer der wenigen gewesen, der nie um sie geworben hat…

Mittlerweile war die restliche Schlacht beendet. Zwei Soldaten hatten sich noch Rücken an Rücken positioniert und versuchten so sich zu verteidigen, die restlichen waren gefallen, waren zu verletzt um sich weiter zu wehren oder hatten die Waffen weggeworfen. Doch selbst der letzte Kampf der zwei Soldaten gegen die jetzt bestehende Übermacht der Orks war angesichts der letzen Ereignisse unterbrochen worden.

»Warnung? Ich gebe Euch eine geschätzte halbe Minute, dann rate ich Euch, von hier verschwunden zu sein, es soll Euer Schaden nicht sein… Ehre? Ich sagte doch bereits, Ehre wird in diesen Tagen überbewertet. Also können wir in aller Ehrlosigkeit…«

Er zieht hinter seinem Rücken die kleine Armbrust hervor, die er die Zeit über in seinem Gürtel stecken hatte. In Blitzesschnelle rollt ein vergifteter Bolzen in die Halterung, während der Alte mit einem umgelegten Hebel die Armbrust spannt, er zielt auf Karra und schießt. Nur wenige Momente später befindet er sich zwischen den Baumwipfeln, etwa zwanzig Meter über dem Boden, fast unsichtbar zwischen den Ästen, den Buchenblättern und Lärchennadeln. Aus gar nicht allzuweiter Ferne ertönt ein Horn und mannigfaches Hufgetrappel in Richtung des Kampfgeschehens, vermischt mit aufgeregten Befehlen, ist zu hören.

Rhogan 15.11.2008, 16:57

11 zitieren melden

Mit einem kräftigen Wurf schleudert Grimlakh seinen Speer auf den Mann. Aus dem Augenwinkel sieht er, dass sein Speer das Ziel getroffen zu haben scheint, doch das ist ihm nicht weiter wichtig. Karra wurde verletzt. Der Kerl würde dafür büßen.
Die Geräusche von Hufen und Befehlen ließen ihn wieder zum Geschehenen zurück bringen. Sofort bellte er die Befehle.

Ihr da! Nehmt Karra und die anderen Verletzen und lauft voraus zum Lager! Der Rest nimmt Schwert und Schild was er ergreifen kann als Beute!

Grimlakh drängt zur Eile, denn er nimmt die Drohung des starken aber unehrenhaften Kriegers ernst. Die Verletzten waren gerade hinter den ersten Bäumen verschwunden und die anderen hatten an sich gerafft was sie erwischen konnten, als die Pferde schon ganz nahe zu sein schienen. Grimlakh drehte sich in die Richtung der kommenden Reiter und holte tief Luft. Dann ließ er aus voller Kehle ein lang gezogenes Brüllen ertönen. Vögel stiegen aus den Bäumen, Wildtiere flüchteten und die Pferde der Kutsche gingen durch. Auch die Pferde der Verfolger scheuten angesichts des Brüllens, welcher einer wahren Bestie angehören könnte. Als letzter verließ Grimlakh den Weg und konnte die nahen Reiter schon sehen.
Im schnellen Schritt ging es durch den Wald. Immer wieder sah Grimlakh nach hinten ob sie ihn und die anderen verfolgen würden.

Der Alte wurde vom Speer nur knapp verfehlt…dieser dämliche Ork. Hirn im Kopf wie ein Spatzenschiss und nicht vorhandene Weitsicht, dass jeder Goblin einen Lachanfall bekommen würde. Er flog hinunter zu den Reitern, die sich um die Kutsche aufgestellt hatten. Es waren vierzig, wenn nicht fünfzig, schwer bewaffnet und perfekt ausgebildet.

»Männer, das war eine Kriegserklärung. Wir kamen in friedlicher Absicht, doch offensichtlich kann dieser Stamm kaum einen Steinwurf weit denken. Merras, Deine Division reitet zurück und beordert das stehende Heer Pisars hierher, sagen wir…dreitausend Mann, zwanzig oder dreißig Drachen dazu. Und sperre die Straße Ich will ein Exempel statuieren. Niemand greift mich ungeschoren an. Wir werden diesen…Idioten zeigen, wem das Land gehört, und wenn wir dafür ihren gesamten Wald niederbrennen müssen. Sperrt die Straßen um Leva bis auf wichtige Boten, verstärkt die Mauerbesatzungen und stellt die Bevölkerung wie die Wachen auf den Besatzungs- oder Kriegsfall ein. Schafft in die Stadt, so viel ihr könnt. Jetzt wollen wir diesen Orks zeigen, dass sie keineswegs die mächtigsten Kreaturen auf dieser Welt sind. Wir sind stärker – wir sind Drachensteiner!«

Die Reiter – Elben, Vampire, Menschen, Zwerge und Elben, aber auch Orks, waren unter ihnen – jubelten zustimmend und erhoben ihre mächtigen Waffen in den Himmel.

»Gomreth, übernimm Du weiterhin die Führung, und jetzt jagt den Flüchtenden hinterher! Tötet sie nur, wenn es nicht anders geht, ansonsten verletzt sie schwer oder macht sie unschädlich und nehmt so viele Gefangene wie möglich. Reitet los!« – »Ja, Kaiserliche Exzellenz.«

Gewandt und mit so wenig Geräuschen, wie sie eine Horde Reiter machen kann, stürmen die Reiter los, den Flüchtenden hinterher, teilen sich in Gruppen auf, schließen sich wieder zusammen und wühlen den Waldboden unter sich auf. Der Alte sattelt währenddessen ein Kutschenpferd los, schwingt sich auf und reitet ihnen hinterher. Bald haben sie den zu Fuß fliehenden Orktrek eingeholt und kesseln ihn ein. Nun gibt es für die großteils verletzten, zumindest aber erschöpften Orks wohl kaum noch ein Entkommen. Gespannte Bögen, gestreckte Speere und gezogene Schwerter zielten auf den eingekreisten Haufen.

»Ich bin Gomreth, Reiter der kaiserlichen Armee und Ork wie Ihr. Ihr habt nun die Möglichkeit, Euch zu ergeben, in welchem Falle Ihr ehrenhaft behandelt und als Gefangene keine Qualen zu fürchten habt. Ansonsten werden wir Euch gewaltvoll gefangennehmen. «

Der Alte, der im langsamen Trab hinterherkommt, beobachtet das Geschehen aus einiger Entfernung und achtet auf die Umgebung…sollten weitere Orks kommen, müssen die vierzig Reiter schnell gefechtsbereit sein und die Magier beginnen, ihre Zauber zu formulieren.

Rhogan 18.11.2008, 01:28

13 zitieren melden

Grimlakh schnauft noch einmal durch. Sie haben das steinigere Gelände bzw. den inneren Wald leider nicht mehr erreicht. Dort wäre es den Reitern fast unmöglich gewesen durch zu reiten. Trotzdem kann er stolz auf sich und seine Männer sein. Er hat die Reiter abgelenkt, hat etliche von ihnen mit seinen Speeren nieder gestreckt und so die Wut der Reiter auf sich geladen um den anderen bessere Chancen zu liefern. Auch andere Orks haben sich tapfer erwehrt. Einige sieht er deshalb nicht hier. Das kostbare Eisen, die Schilder und Schwerter der Reiter, haben sie fallen gelassen als es aussichtslos wurde. Und wegen noch etwas konnte er stolz sein. Er sah Karra nirgends. Auch die anderen Verletzten oder jene, die sie getragen hatten. Sie hatten die Aufmerksamkeit der Reiter erfolgreich auf sich gezogen. Gerade jetzt dürften sie die ersten Späher von Karra begegnen. Selbst wenn sie da noch verfolgt würden, würden die Anhänger Karras nun blutige Rache an den armen Seelen verüben. Dieser Gedanke ließ ihn lächeln. Es war nicht alles verloren. Sein Lächeln ermutigte seine Krieger rund um ihn.
Er trat einen Schritt nach vorne zum Kommandanten. Zum Ork-Kommandanten. Dies konnte nur ein Zeichen sein.
In seiner linken sein Schild welches schon einige Schläge ertragen musste, in seiner rechten seinen Kriegsspeer auf dem noch immer das Blut tropfte welches er heute vergossen hatte sprach er laut in Orkisch, so dass es der Ork und seine Orks hören konnten.

Ich bin Grimlakh vom Stamm der Katgorrad und derzeitiger Anführer dieser Orkmeute.
Ich habe nur eine Frage an Euch, Krieger Gomreth, und wenn Ihr noch Ork genug seid, werdet Ihr mir diese ohne zu zögern, ohne zu fragen und ohne Umschweife beantworten.
Werdet Ihr uns nach den alten Riten und Gebräuchen der Orks behandel, so wie unsere Ahnen es zu tun pflegten?

»Verschont mich mit Eurer Ahnengefühlsduselei. Ich werde Euch nach den Riten der Ritterlichkeit behandeln. Ergebt Ihr Euch?«

Durch den Wald hört man weitere Hufe und Schritte, hunderte bis zweihunderte, außerdem einen mächtigen Flügelschlag. Der Alte lächelt geziert – Merras schien die erste, recht nahe gelegene Festung erreicht zu haben.

Rhogan 20.11.2008, 11:36

15 zitieren melden

Auf eure Ritterlichkeit pfeifen wir, Akaschek!

Heute werden wir Khar gegenübertreten. Und wir werden sagen können, dass wir ehrenhaft in der Schlacht gestorben sind. Denn wir sind Orks! Wir ergeben uns niemals!

Mit einem kurzen Gebrüll rammt Grimlakh dem nächsten seinen Kriegsspeer in den Wams. Er stemmt den Körper vom Boden hoch und schleudert ihn dann ein paar Meter weiter wieder herunter, während er sich mit seinem Schild notdürftig von den auf ihn einprasselnden Angriffen schützt. Die Orks greifen die Soldaten um sie herum an. Wer keine Waffe mehr hat setzt Fäuste, Krallen und Hauer ein.
Es ist ein hoffnungsloser Kampf. Jeder Ork weiß, dass er hier und heute sterben wird. Doch gerade dieser Gedanke lässt die Orks angreifen ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben. Ein Platz in den Reihen der Armee des Kriegsgottes ist ihnen gewiss.

Akaschek, Übersetzung: Verräter, Verräter des Stammes, Verräter der alten Werte/der Götter, Dunkler Verführer, usw.

Dies ist keine Beleidigung (welche durchaus üblich sind unter Orks) sondern eine Anschuldigung. Ein Ork der so geschalten wird, und der sich nicht aus dieser Anschuldigung befreien kann, gilt als verstoßen und vogelfrei. Die unterste Stufe der Orkhierarchie.

Fort von den Orks in alle Richtungen reiten die Reiter, so schnell wie möglich, und während diese sich noch wundern, wo ihre überlegenen Feinde hinrennen, ergießt sich ein Schwall Feuer über sie, erschallt vom Erdboden wieder, zündet Bäume in der Umgebung an und hinterlässt nur kahle, schwarze Erde und verkohlte Überreste, während die Magier unter den Reitern bemüht sind, das Feuer an den Bäumen mit Wasserzaubern zu löschen. Wütend brüllt der Drache über ihnen; niemand greift seine Schutzbefohlenen an. Die Reiter sammeln sich um Gomreth, dieser gibt Befehle:

»Ihr Fährtensucher, sucht im Umkreis – es waren mehr Orks, die uns angegriffen haben als diese, und wir müssen sie zur Strecke bringen. Interesse an einer Gefangenschaft scheinen diese Stümper nicht zu haben – tötet oder verletzt jeden schwer, den ihr seht. «

Rhogan 20.11.2008, 18:42

17 zitieren melden

Eine Späherin hatte aus der Ferne das Unglück mit angesehen. Sie vernahm zwar nicht mehr die Worte des großen Jägers, doch sein Brüllen am ende zeigte seine Bereitschaft zum Kampf. Liebend gerne hätte sie ebenfalls in den Kampf eingegriffen, aber ihre wichtigere Aufgabe bestand darin ihrem Häuptling zu berichten. Als sie von dannen schlich hielt sie nur zweimal an um noch letzte Spuren zu beseitigen, die die Verletzten hinterlassen hatten, denen sie begegnet war. Erst nach vielen Minuten wo sie sicher war, dass selbst das scharfe Auge eines Elben sie nicht mehr sehen und kein Ohr sie mehr hören konnte lief sie los. Immer darauf bedacht auf Wurzeln und Steine zu treten um selbst durch ihren leichten Fuß nicht einmal eine Spur eines Abdruckes zu hinterlassen. Unterwegs hörte sie ab und an das klackern von holz an Holz aus den Baumwipfeln. Ein Zeichen der anderen Späherinnen. Eine Art Willkommensgruß so unauffällig wie erkennend für Eingeweihte.
Der Häuptling musste unterrichtet werden. Später würde man den Leichnamen der Gefallenen eine ehrenvolle Bestattung zukommen lassen.

Die Fährtensucher kommen zurück.

»Gomreth, sie scheinen alle Spuren verwischt zu haben, aber Leveth hat die Blutspur gerochen, die ihnen folgt. Wir können Euch hinführen. «

Gomreth blickt mitleidsvoll auf die gleichmäßig auf dem Boden verteilte Asche, die von den Orks übrigblieb. Mittlerweile sind weitere Reiter eingetroffen, sie versammeln sich um Gomreth, es sind wohl inzwischen um 600 Reiter und noch zwei weitere Drachen. Er wendet sich an die Fährtensucher.

»Führt uns hin, wir folgen.«

"Führt uns.

Rhogan 21.11.2008, 11:37

19 zitieren melden

Nachdem die erste Späherin Rhogan von den Vorkommnissen berichtet hat, kommt nur kurze Zeit danach eine weitere Späherin ins Lager. Vollkommen außer Atem war sie die ganze Strecke nur gerannt um ihrem Häuptling Bericht zu geben. Man reichte ihr erst einmal einen Wasserschlauch. Noch bevor sie angefangen hatte zu erzählen, spürte Rhogan wie die Geister unruhig wurden. Sie fühlten sich gestört. Er konnte schon erahnen was sie zu berichten hatte.

»Sie kommen… mit einer Armee… Etwas über fünfhundert Mann… und ich sah zwei Drachen. Vielleicht mehr… Sie folgen irgendetwas… keiner Spur, aber sie kommen hier her…«

»Ihr braucht nicht weiter zu sprechen. Ich weiß wo sie im Moment sind. Ruht euch aus. Ihr habt eure Pflicht erfüllt.«

Rhogan geht wieder ins Hauptzelt. Ihm folgen Brahak, der die Aussicht sich nun rächen zu können was Karra angetan wurde mehr als lockte, Thorak und Gobork. Rhogan breitete eine Karte aus und zeigte auf einige Stellen.

"Hier ist unser Lager. Hier haben mir die Geister verraten, kommen sie. Sie gehen genau den Weg, den unser Trupp zurückgegangen ist. Und hier werden wir sie empfangen. Dies ist eine schmale Lichtung. Hier ist mehr Fels als Erde weswegen die Bäume keine Wurzeln geschlagen haben. Vom nördlichen bis zum südlichen Waldrand sind es etwa dreißig Meter ohne Bäume und ohne Schutz. Wir werden uns beim nördlichen Waldrand positionieren. Westlich fließt hier ein Fluss entlang. Der ist nur einige Kilometer weiter nördlich oder südlich passierbar. Am nördlichen Übergang und am östlichen Ende unserer Schlachtreihe werden wir Totems positionieren. Damit sind wir gewarnt. Das übernimmst du Thorak mit den anderen Schamanen.
Brahak, du und Gobork übernehmen alle Krieger die in ein paar Minuten bereit sind und bereiten die Position vor. Ich komme mit den restlichen Kriegern gleich nach. Ihr habt vielleicht eine Stunde um euch vor zu bereiten. Und Brahak, höre auf den Krieger Gobork. Er hat viel Erfahrung. Und so wie ich ihn einschätze, wird er für eine ganze Meute kämpfen, selbst wenn seine nicht mehr rechtzeitig kommt.
Die Verwundeten und Erschöpften lassen wir hier.
Nun auf auf, meine Krieger."

Morikles 1.0 Fabian Müller, 2005—2020.
Hilfe, Nutzungsbedingungen, Impressum.