Martin schreckt aus dem Schlaf auf. Was war das für ein Geräusch? Und viel wichtiger — wo sind seine Schafe? Martin springt auf und läuft an den anderen Rand der Weide. Angst macht sich in seinem Bauch breit. 
Ich bin doch nur ganz kurz eingeschlafen!
Auch am anderen Weidenrand sind die Schafe nicht zu sehen, nicht einmal eine Spur von ihnen. Wo könnten sie nur sein? Martin lässt sich auf den Boden plumpsen. Tief durchatmen. Sie können nicht weit sein. Aus dem Augenwinkel sieht Martin, wie sich etwas bewegt, und dreht sich freudig um. Dann bewegt er sich eine ganze Weile lang nicht mehr. Er starrt. 

Dort, nur zwei Armbreit entfernt, liegt oder sitzt oder steht ein kleines Tier von einer Art, die Martin noch nie gesehen hat. Es ist blau. Hellblau. Und sein Fell ist so dicht, dass Martin es auf den ersten Blick für einen sorglos hingeworfenen Haufen von Fellen gehalten hätte, nur dass er eben noch nie blaues Fell gesehen hat. Und das Tier hat winzig kleine und unendlich dicht befellte Stummelbeinchen. Und es schaut Martin direkt in die Augen. Die Augen des Tieres sind zu groß für seinen Kopf, dunkelblau und mit dichten Wimpern umrahmt. Ihr Blick scheint Martin zu verschlucken. Das Tier legt den Kopf schief, und Martin findet seine Worte wieder.
Wer bist denn du?
Ganz leise und vorsichtig streckt er dem Tier seinen Arm entgegen. Es ist nicht viel größer als ein neugeborenes Lamm. Das Tier schnuppert an Martins Hand, dann hoppelt-hüpft-kriecht es ihm entgegen und reibt sein Köpfchen daran.
Du bist aber lieb. Was machen wir denn mit dir?
Martin krault das Tier gedankenverloren hinter den Ohren. Eigentlich sollte er seine Schafe finden. Aber dieses Wesen … es sieht so hilfsbedürftig aus. Er nimmt es kurz entschlossen in seine Arme, wo es sich prompt einkuschelt. Als hätte es auf ihn gewartet.
Oh, ich weiß, wen wir fragen können! Du bist bestimmt ein ganz besonderes Tier. 
Das Tier schaut Martin verständnisvoll in die Augen, dann schleckt es seine Nase ab. Martin kichert. 
Komm, ich trage dich. Oh, und du brauchst noch einen Namen! 
Martin denkt kurz nach und streichelt das Tier in seinem Arm. 

Ich weiß — du bist Plizion!
Zufrieden und mit neuem Elan erfüllt schreitet Martin auf in Richtung des fürstlichen Schlosses. In seinen Armen schnurrt Plizion zufrieden.