Kaiserreich
Drachenstein

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Gebrochen

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Belle versucht einige Schritte lang mit Marius' Tempo mitzuhalten, wendet sich dann jedoch wutentbrannt ab und stöckelt hoch erhobenen Hauptes in die nächstbeste Seitengasse davon. 

Marius knurrt und wendet ebenfalls abrupt. Dieses Weib! So zeigt sie ihre Dankbarkeit! Aber das Letzte, was er tun würde, ist, sie hier alleine zu lassen. Nicht nach allem, was ihr bereits passiert ist. Also geht er ihr schnellen Schrittes hinterher, ihre Kleider auf dem Arm.
Bleib stehen, verdammt!

Belle bleibt tatsächlich stehen, dreht sich aber nicht gleich um sondern wartet, bis Marius sie beinahe eingeholt hat. Es gelingt ihr nicht, ihre übliche, arglose Miene aufzusetzen, selbst wenn sie das glaubt. Ihre Augen verraten, dass sie unfassbar froh ist, dass Marius sie jetzt nicht alleine gelassen hat. Sie sieht ihn an und will sich eigentlich entschuldigen, will ihm sagen, dass sie gerade falsch reagiert hat. Dass das alles nicht seine Schuld war. Drei mal setzt sie zu einer Entschuldigung an, schliesst dann den Mund aber wieder unverrichteter Dinge.

Marius blickt sie einen Moment wütend an, denn in seinen Augen liegt keine Freude, doch sie werden etwas sanfter, als sie in die ihren Blicken.
Ich werde nicht zulassen, dass du einfach so wieder aus meinem verschwindest. Und wenn dir das nicht als Grund reicht, mit mir zurück zum Schloss zu gehen, dann bedenke zumindest, dass ich diese Kleider schamlos vernichten werde, wenn du sie nicht trägst.

Bei Marius' Worten öffnet Belle empört den Mund. Die wunderschönen, teuren Kleider vernichten?! Dann röten sich ihre Wangen und sie lächelt ihn an. 

Das würdest du nicht tun. Du bist viel zu gespannt darauf, wie wundervoll ich heute Abend darin aussehen werde. 

Sie schmunzelt und hakt sich dann wieder bei ihm ein. 

Eines muss man dir lassen, Schatzmeister. Du passt gut auf deine Schätze auf.

Vielleicht.

meint Marius nur knapp und führt sie wieder den Weg zurück zum Schloss. Auch wenn ihr kleiner Streit noch immer an ihm nagt.
Mina kann mir eben vertrauen. Und das kannst du auch, Belle.
fügt er noch hinzu und blickt kurz auf sie hinab, lässt den Moment jedoch nicht zu intensiv werden.

Auch Belle denkt immer wieder an den Streit zurück und an das kurze, schreckliche Gefühl, alleine in jener Gasse zu sein. Ob sie in der Vergangenheit oft alleine war? 

Ich vertraue dir doch. 

entgegnet sie schliesslich überrascht. 

Marius nimmt sanft Belles Hand und drückt sie leicht, als sie das Schloss wieder betreten.
Wenn du möchtest, kann ich dir auch ein eigenes Zimmer herrichten lassen…
sagt er nach einer Weile und blickt sie leicht von der Seite an.
Nur damit du deinen Freiraum hast.

Belle lächelt, als Marius ihre Hand nimmt und drückt die seine ebenfalls. 

Das könnte ich wohl kaum von dir verlangen. 

sagt sie schliesslich auf seine Worte hin und senkt ihre Stimme.

Es ist mir ohnehin schon.. unangenehm, was du alles für mich tust. 

Marius schüttelt abwehrend den Kopf.
Ein weiteres Zimmer ist wohl kaum der Rede wert, immerhin hat das Schloss mehr als 300 Schlafgemächer allein für Gäste. Aber wie du meinst.
fügt er dann noch schnell hinzu, um nicht erneut einen Streit zu beginnen. Sie erreichen sein Zimmer und er legt die Kleider auf das Bett, nimmt sich ein frisches Hemd aus der Kommode und wechselt es schnell mit dem seinen aus.

Belle hingegen bleibt etwas unschlüssig vor dem Spiegel stehen und betrachtet hauptsächlich sich selbst, gelegentlich aber tatsächlich auch Marius. Wieso auch nicht, wenn sich ihr ein so schöner Anblick gleichermassen freiwillig als auch bereitwillig bietet. 

Natürlich hätte sie gerne ein eigenes Zimmer. Eine Suite, nur der Königin persönlich würdig. Sie würde in die royalen Privatgemächer einziehen, liesse es sich vereinbaren. Aber ihr ganzes Leben steht noch unfassbar wackelig auf den Beinen. Was, wenn das Blondchen doch eines Tages bemerkt, welch fatalen Fehler sie gemacht hat? Wenn sie Marius umgarnt und ihn – nach so vielen Jahren des stillen Leidens – endlich erhört? 

Marius tritt kurz hinter sie und drückt ihr einen Kuss auf die Schläfe, bevor er sie bittet, sich trotz aller Hindernisse, zum Beispiel dem, dass sie eine Frau ist, sich zu beeilen, damit sie das Abendessen nicht verpassen.

Na dann raus mit dir!

lacht Belle und schiebt Marius sanft aber bestimmt zur Tür. 

Du würdest dir nur selbst die Überraschung verderben also gib mir ein paar Minuten. Ich bin gleich da.

Marius hebt abwehrend die Hände und verlässt das Zimmer breit grinsend. Ja, er freut sich wirklich sehr auf das Ergebnis. Da macht es ihm auch nichts aus, die Tür hinter sich zu schließen und eine gefühlte Ewigkeit im Gang auf und ab zu laufen.

Als Belle schliesslich das Zimmer verlässt, ist sie kaum mehr wieder zu erkennen. Das rosafarbene Kleid schmeichelt ihrer makellosen Haut, den leicht geröteten Wangen und ihren roten Lippen, die Haare sind gekämmt und mit ein paar eingesteckten, blassrosa Blüten fein säuberlich zurechtgemacht. Sie strahlt Marius aus funkelnden Augen an, die verraten, wie überzeugt sie von ihrer Erscheinung ist und wie wohl sie sich in dieser Garderobe fühlt.

Marius bleibt wie versteinert im Gang stehen, als Amelia aus seinem Zimmer tritt. Einzig seine Augen verraten, dass er nicht wirklich ein Stein ist, denn sie leuchten bezaubert auf. Sein Herz setzt sogar einen Moment aus, als er diesen wundervollen Anblick vor sich einen Moment lang betrachtet. Sie ist einfach nur wunderschön, ein anderes Wort fällt ihm nicht ein. Doch nicht wie sonst, will er sie nicht sofort wieder in sein Zimmer ziehen und dieses wundervollen Kleides entledigen. Nein, er will sie der Welt zeigen, sie als seine Freundin präsentieren. Seine Geliebte, sein Hezr, sein Alles. Zum Glück spricht er all diese Worte nicht aus, denn so würden sie ihm vermutlich nur noch mehr Angst machen.

Wow.
Er schluckt, als er bemerkt, wie trocken seine Kehle gewurden ist. Mehr bekommt er nicht über die Lippen, doch das ist vermutlich auch nicht nötig, denn sein ganzer Körper strahlt vor Begeisterung und Stolz. Mit einigen Schritten, bei denen er seinen Blick noch immer nicht von ihr lösen kann, ist er bei ihr und bietet ihr seinen Arm an.

Belle schmunzelt stolz und hakt sich bei Marius ein. Sie geniesst seine Blicke, seine Sprachlosigkeit und seine zuckersüsse, unheimlich sympathische, leichte Unbeholfenheit, die sie als so unheimlich verzückend empfindet. Sie tätschelt ihm auf den Arm und blinzelt zu ihm auf. 

Einem Schatzmeister würdig, habe ich recht?

Einem König würdig.

erwidert Marius und lächelt auf sie hinab. Ihr nun wieder so nahe zu sein, schenkt ihm wieder etwas Haltung.

Du siehst wundervoll aus, Belle. Was für ein passender Name…

Belle strahlt bei seinen wundervollen Komplimenten umso breiter. Sie weiss, wie schön sie aussieht. Aber dennoch kann sie es nicht genug oft aus seinem Mund hören. Und noch ehe sie aus dem Korridor hinaus in die etwas geschäftigeren Teile des Schlosses treten, hält sie noch einmal inne und wartet, bis Marius stehen bleibt und sie ansieht. 

Marius, ich.. wollte dir danken für alles, was du für mich tust. Und damit meine ich nicht die materiellen Dinge.. ich weiss, dass du davon genug hast. 

Sie schmunzelt kurz neckend, wird dann aber wieder ernster. 

Ich vertraue dir und es ist nicht meine Absicht, deinem oder meinem Ruf zu schaden. Ich geniesse deine Gesellschaft und würde.. sie schrecklich ungerne wieder missen. 

Sein Herz schlägt laut und kräftig in seiner Brust, während sich Marius' Mundwinkel zögernd nach oben ziehen. Seine Gefühle sind ihm nicht geheuer. Er will all diese Worte erwidern und ihr alles über sich erzählen.

Es tut mir leid, wie ich vorhin aus der Haut gefahren bin. Daran hast du keine Schuld getragen. Es ist einfach so, dass-
Er stockt und scheint sich zu besinnen, ein Geheimnis niht so einfach preis zu geben, auch wenn er es vielleicht bedenkenlos mit Belle teilen könnte.

Ein andermal, ja? Nicht jetzt.
Er lächelt und beugt sich kurz zu ihr hinab, haucht einen Kuss auf ihre Lippen und zerstreut damit alle Bedenken.

Ich will deine Gesellschaft auch nicht mehr missen, Belle.

Morikles 1.0 Fabian Müller, 2005—2017.
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