Kaiserreich
Drachenstein

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Das Volk der Vampire

Der Sage nach entstanden Vampire vor ewigen Zeiten, als Parn und Marron gleichzeitig einen Zauber auf einen Elb aussprechen wollten, Parn wollte ihn zur Dryade und Marron ihn zum Dämon machen. In Wirklichkeit kann davon ausgegangen werden, dass sie eine weiterentwickelte Form der Elben sind, welche vor etwa 40 000 Jahren ihr heutiges Stadium erreichten. Interessant sind die naturgegebene Lichtscheue, die allerdings durch häufige Tageslichtbesuche größtenteils entfernt werden kann, sowie das natürliche Beherrschen einiger Zaubersprüche höchsten Ranges, sonst aber völlige Magieuntauglichkeit. Das äusserliche Erscheinungsbild eines Vampirs unterscheidet sich von dem eines Elbs nur durch eine rötlich gefärbte Iris und spitzen, weiterentwickelten Fangzähnen. Vom Gemüte her ist ein Vampir agressiver, egoistischer, aber auch treuer als ein Elb. Geschlossene Freundschaften oder auch Feindschaften halten meist ein Leben lang. Die vorhin schon angesprochenen natürlich beherrschten Zaubersprüche bestehen aus der Flugfähigkeit, der Verwandlung in einen Wolf, einer Fledermaus oder in einen Luchs und der Unsichtbarkeit. Diese Zaubersprüche kommen völlig ohne Komponenten aus, sind aber Geistesabhängig, was heißt, dass ein überraschter oder innerlich aufgewühlter Vampir weniger in der Lage ist als ein völlig entspannter und dass Vampire sich ohne Nachdenken dieser Zauber bedienen können wie andere Wesen eines Muskels. Die Alterung von Vampiren verläuft hyperbelartig, ein Vampir, der etwa mit einem Jahr das körperliche Stadium eines Einjährigen erreicht, erreicht mit vier Jahren das körperliche Stadium eines zweijährigen, mit hundert das körperliche Stadium eines zehnjährigen, und so weiter. Der geistige Reifeprozess erfolgt dagegen linear zum Alter. Vampire können keines natürlichen Todes sterben, durch ihre äusserste Robustheit ist ein direktes Ableben auch nur durch das Zerstören der Herzfunktionen möglich, was den Körper in eine Art Ruhezustand versetzt. Aus diesen Gründen werden Vampire zu den Untoten gezählt. Vampire können sich untereinander, aber auch mit Elben und Menschen auf fleischlichem Wege fortpflanzen. Es gibt Vampire, die sich nur untereinander, mit Elben oder mit Menschen fortpflanzen können, was meist bei Vampiren, von denen ein Elternteil kein Vampir sondern die betreffende Rasse war, auftritt. Kann ein Vampir sich nur mit Vampiren oder Menschen fortpflanzen, nennt man dies solumhomial, kann er sich nur mit Vampiren oder Elben fortpflanzen, nennt man dies solumedilial.

Das Verbreitungsgebiet der Vampire zieht sich eigentlich über ganz Drachenstein, weil Vampire entweder einzeln oder in Familienclans leben, wobei ersteres weitaus häufiger ist. Die ältesten nachweislichen Vampirfunde sind alte Lagerstätten in den Bergen von Auron, welche etwa 25 000 Jahre alt sind und die ältesten zivilisationsbezeugenden Funde Drachensteins nach den Drachenfunden in Nordpisar sind. Von Auron aus verbreiteten sich die Vampire wahrscheinlich erst über Pisar und Vincaster, dann durch ungeklärte Zustände nach Malazien, Pretanz und schließlich nach Pelata, wo sie allerdings weniger häufig anzutreffen sind, was mit den dort um die Einzugszeit schon weit verbreiteten fremdentötenden Stämmen zusammenhängen könnte.

Die Vampire entwickelten einen eigenen, eher Marron denn Parn zugewandten Kult, eine interessante Abspaltung des runischen Glaubens, welcher Elemente dunkler Riten und das Versetzen in den Rauschzustand durch spirituellen, narkotisierenden Rauch. Dieser Kult fand in Moorriten und opferbringenden Bestattungsritualen seinen Höhepunkt, bevor er langsam durch den sich aufbauenden Parnskult verschwand, welcher die Schönheit der Natur in ausgelassenen Festen und nächtlichen Kerzenwanderungen feierte. Zwei herrschende Vampirfamilien aber, der Clan der Lithorianer und der Clan der Marcsdonner blieben dem alten Kult verhaftet und verschwanden in Katakomben und Kanalisationen, als sie immer mehr an Achtung verloren. Von ihnen ist heute nur noch wenig bekannt. Hier können gleich die anderen zwei wichtigen Vampirfamilien genannt werden, die Silvianer und die Draker, die herrschende Kaiserdynastie Drachensteins, welche sich dem neuen Kult anschlossen und bald an Wohlhaben und Achtung gewannen, was sie als Zeichen der Würdigung und der Richtigkeit ihrer Wahl befanden und sie dazu veranlasste, ihre Achtung Parn gegenüber im Bau großer Tempelanlagen zu zeigen. Ein Vampirclan besteht aus sämtlichen leiblichen Nachfahren der Clanväter und ist meist weitverzweigt, wobei eine richtigige Zugehörigkeit meist nur zu den engsten Familienmitgliedern gefunden wird. Zwischen sich fremden Vampiren besteht meist weniger Zugehörigkeitsgefühl als zwischen einem Vampir und einer fremden Person anderer Rasse. Trotz alledem sind Vampire sehr reisefreudig und die Anzahl der Gelehrten und Medici zwischen ihnen ist höher als die Anzahl der Krieger. Viele ihrer Erfahrungen und Reiseerlebnisse schreiben sie nieder und wenn man Auskunft über Themen sucht, von denen man meint, dass sich darüber noch niemand Gedanken gemacht hat, so sollte man in der Bibliothek eines wohlhabenden Vampirs schauen. Vampire sind in allen Klassen vertreten, bilden aber größtenteils die reiche, leicht versnobte Oberschicht, welche die aktuelle Mode und den Zeitgeist bestimmt, aber mit den Problemen der unteren Schichten kaum vertraut ist. Vampire sprechen übrigens das reinste Hochdrakisch in ganz Drachenstein, und das so ausgeprägt, dass man teilweise schon wieder Verständnisschwierigkeiten hat.

Als Schlusswort muss gesagt werden, dass viele der alten Mythen um Vampire, wie beispielsweise der Vampirbiss, ruhig weiter in den Bereich der Märchen gehören.

(Quelle: Fundiertes Sachwissen über die in Drachenstein am häufigsten verbreiteten Völker von Magister Domus studiosum Hennek DiNorr)

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